Ich kann den bis vor kurzem von mir geliebten Handspring Visor Edge nicht mehr ertragen. Diese Shareware-Welt macht mich wahnsinnig und eigentlich nutze ich es nur, um darauf Vexed zu spielen, sowie hin und wieder eine Telefonnummer nachzuschauen. Verzeih evil-nn2 (und danke für die Leihgabe), aber mir steht ein neues Gadget zur Verfügung. Es ist das von Nokia vor einiger Zeit angekündigte "Internet Tablet" mit Bluetooth und WLAN.

Das Nokia 770 dekorativ im Blumentopf

Das Nokia 770 hat zwar keine ausgereiften PIM-Funktionen, wie etwa Kalender und Aufgabenlisten, aber dessen Betriebssystem basiert auf Debian und GNOME, was die Sache sehr entspannt und flexibel macht. Die Maemo-Plattform ist Open-Source und wird von Nokia selbst unterstützt. So findet sich im Wiki auch eine entsprechend lange Liste an Programmen, welche für das Nokia 770 bereits portiert sind. Dort findet sich so unterschiedliche Software wie von der Bash, über Gaim, ScummVM bis hin zu AbiWord. Auch die vermissten PIM-Anwendungen, in Form der GPE-PIM-Suite, lassen sich dort besorgen. Die Installation ist kinderleicht, einfach Link zum deb-File anklicken, bestätigen und schon wird es installiert. Ein Repository für apt-get soll es auch geben (repository.maemo.org), aber damit habe ich mich noch nicht auseinander gesetzt. Zur Zeit bin ich zu sehr damit beschäftigt Maniac Mansion zu spielen.

Aber ich will hier die vorinstallierten Applikationen nicht außer acht lassen. Da wäre ein auf Opera basierender Webbrowser mit Flash-Plugin, ein Video-Player, ein Audio-Player, Bildbetrachter, Notizblock und andere Kinkerlitzchen. Neben der Handschriften-Erkennung sind Browser und RealVideo die einzigen Closed-Source Komponenten. Ebenfalls findet sich ein handlicher Newsfeed-Reader und ein mittelprächtiges Mail-Programm, welches auf Sylpheed aufbaut.

Der Video-Player spielt wie angedeutet Real Videos ab, aber kann mit Windows-Media, QuickTime und H.264 nichts anzufangen. Die Videos laufen außer bei wirklich schnellen Szenen sehr flüssig. Mittels mencoder lassen sich Videos optimiert für das Breitbild-Display umwandeln. Nokia stellt dafür eine in Java programmierte grafische Oberfläche zur Verfügung stellt, womit auch Windows- und Mac-User in den Genuss von mencoder kommen, aber auch für Linux-User ist diese GUI sehr komfortabel. Der Audio-Player spielt lokale und gestreamte MP3s ab, mag aber keine Ogg Vorbis-Dateien. Das liegt scheinbar daran, dass der DSP derzeit noch Probleme mit dem Vorbis-Codec hat. Es gibt aber ein Ogg-Player, welcher aber den Hauptprozessor nutzt und wahrscheinlich mehr Strom verbraucht.

Kommen wir zur Hardware. Als Prozessor tickt ein 220 MHz ARM-Prozessor und 128 MB Flash-Speicher stehen ihm zur Seite. Vor allem das Display überzeigt durch seine Helligkeit und bietet ein wirklich gutes Bild mit einer Auflösung von 800x480 Pixeln bei über 200 dpi. Der Lautsprecher lässt sowohl in punkto Lautstärke und Klangqualität einen großteil von Laptop-Speakern hinter sich, obwohl er relativ winzig ist. Erweitern lässt sich der Speicherplatz durch eine RS-MMC-Speicherkarte, wo es ratsam ist, die mitgelieferte 64 MB-Karte gegen eine größere auszutauschen. Außerdem bietet es ja wie bereits erwähnt Bluetooth, WLAN mit 54 Mbit/s sowie USB an. Der Akku ist glücklicherweise auswechselbar und genauso wie das Netzteil scheinbar ein Nokia-"Standardmodell". Der Akku hält tatsächlich länger als die angegebenen drei Stunden, wenn das WLAN nicht verwendet wird. Nach über fünf Stunden Musik hören bei abgeschaltetem Display zeigte der Ladeanstand noch alle vier Balken an (detailierte Informationen zum Ladestand habe ich bisher noch nicht gefunden). nn stufte den Delay des Touchscreen als sehr gering ein. Die Handschriften-Erkennung ist tatsächlich äußerst gut und flexibel.

Mira, das Nokia 770 und Keywan vor der Haustür

Es ist zwar von seinen Abmessungen her leicht größer als übliche PDAs, aber dafür bietet es auch mehr als andere Handhelds. Alles im allem macht dieses Gadget richtig Spaß.