Ungefähr zum Anfang des Jahres bin ich mit meinem Webspace und meiner Domain zu IN Berlin e.V. umgezogen. Nun ja, ich habe zwar in der Uni und im AZ genügend Webspace und auch root-Zugriff, aber ein gut eingerichteter, erreichbarer Web- und Mailspace ist einfach zu verführerisch. Für Experiemente kann ich ja immer noch sirius nehmen. Das also zu meiner Motivation Webspace zu mieten.

Aber eigentlich wollte ich ja etwas über IN Berlin schreiben. Was mir konkret an IN Berlin gefällt. ist die Freundlichkeit und Engagement, gepaart mit technischer Kompetenz.

Freundlichkeit

Die sind nicht nur einfach nett. Bei denen fehlt jegliches autoritäres Admin-Verhalten. Ich habe das Gefühl, die verwalten ihre Rechner nur und herrschen nicht über diese und uns Usern. So erklären sich auch Dialoge, wie:

Spricht was dagegen, Programm xyz zu installiern?
Nein, ist in Version 1.2.3 nun installiert.

Bei einer solchen Atmosphäre macht das verwenden der Rechner richtig Spaß. Diese Vorraussetzung betrifft aber nicht nur das Arbeiten an Rechnern, sondern soziale Kontakte im allgemeinen. Wenn jemand Macht über mich ausübt, dann fühle ich mich grundsätzlich schlechter. Durch die autoritäre, hierarchische Sicherheitsstruktur in Computersystemne - was sich leider auch auf die Verhaltensschemata mancher Administratoren auswirkt - bin ich über eine solche, eigentliche Selbstverständlichkeit doch sehr angenehm überrascht.
By the way: Sudo für Alle!.

Engagement

Die MitarbeiterInnen von IN Berlin erledigen Ihre Aufgaben nicht nur freundlich, sondern auch ehrenamtlich. Hey, diese Leute betreiben keinen Internet-Provider aus niederen Motiven wie Geld, sondern sind Überzeugungstäter.
Und dieses wirkt sich eben auch auf die Umsetzung des Angebotes aus. Kein Dienst nach Vorschrift oder standardisierte Antworten einer Maschine (oder eines zur solchen stilisiertem Hotline-Mitarbeiters). Meine Fragen und Mails werden kognitiv korrekt erfasst und darauf angemessen eingangen (Bei GMX hatte ich mal einen denkwürdigen Dialog: GMX IMAP klappt mit Evolution nicht. - Unter Linux können Sie die Weboberfläche mit Mozilla benutzen.).
Um es kurz sagen: Ich werde als Mensch und nicht als Geldabzapfanlange gesehen und behandelt. Im Gegenzug bedeutet es, dass ich IN Berlin auch als Menschen und engagiertes Kollektiv sehe und nicht als Dienstleister, welcher die gefordeten Leistungen schnellstmöglich erbringen muss.
Wenn es mal länger dauert oder etwas nicht klappt, dann ist das für mich kein Problem. Denn Menschen machen Fehler oder haben auch einfach mal keine Lust, auch wenn unsere auf Produktivität getrimmte Gesellschaft das zu vertuschen versucht. Hauptsache ist, dass das Grundversprechen im Prinzip eingehalten wird.

Kompetenz

Und hiermit sind wir auch schon bei letzten Punkt. Es ist gut wenn Menschen engagiert an eine Sache rangehen, aber das reicht nicht aus. Es muss auch Ernst gemeint sein. Mein Philosophie-Lehrer würde an dieser Stelle sagen:

Das Gegenteil von Gut ist gut gemeint.

Wenn ich mich dafür entscheide, ein Projekt zu machen, etwas einer Gemeinschaft bzw. anderen anzubieten, ob das nun ein Internet-Anbieter, ein Kneipenraum oder ein Infoladen ist, dann reicht es nicht spontan und unzuverlässig hier und dort was zu machen. Halbe Sachen sind meistens nutzlos oder frustrierend.
Und genau das ist bei IN Berlin meiner Meinung nach nicht der Fall. Die Rechner sind gut konfiguriert, das Team ist einfach erreichbar und antwortet relativ schnell und verständlich. Mal wird ein Dienst noch eben so um 23 Uhr eingerichtet oder auf eine Anfrage binnen einer Stunde reagiert, ein anderes mal gilt es ein paar Tage zu warten, aber die Angebote laufen und laufen und laufen. Wir, damit meine ich mindestens die IN Berlin User aus meinem Bekanntenkreis, wenn nicht sogar alle, können uns auf die eigentliche Sache, z.B. die Inhalte der Website konzentrieren.

Die Forderung nach ernsthaften Einsatz für das selbstgewählte Projekt darf nicht mit jener nach fehlerfreien und funktionierender Arbeit unter Rückstellung eigener Bedürfnisse verwechselt werden. Letztere lehne ich ab, denn die Toleranz für Probleme und Schwankungen ist unabdingbar, genauso wie das Fehlen von Zwang. Es ist eben der Unterschied zwischen dem berechtigten Anspruch sich auf den Gegenüber verlassen zu können und dem abzulehnendem Verhalten über einen diesen zu bestimmen.
IN Berlin und ich haben eine Vereinbarung, welche eingehalten werden sollte, aber das wann und wie liegt im gegenseitigem Ermessensspielraum oder die Vereinbarung wird eben aufgelöst. Letzteres ist nicht ein Druckmittel oder letzter Ausweg, sondern eine stetig vorhandene Option, welche Grundlage des Umgangs ist. Auf dem Amt oder im T-Punkt fehlt diese Option oder Aufkündigung ist für die Schwächeren mit erheblich mehr Verlust verbunden und deshalb geht es dort auch so ungemütlich zu.

Fazit

Soviele komische Aspekte und was hat das jetzt mit dem Lobgesang auf sich. Bei IN Berlin ist aus meiner sich derweil alles Super und Beispiele dafür habe ich weiter oben genannt. Mit deren Support können Global Player wie Telekom, AOL oder United Internet um Längen nicht mithalten. Und das alles nicht, obwohl sie ein kleiner, ehrenamtlicher Verein sind, sondern gerade wegen den oben genannten Aspekten. Freundlichkeit als Prinzip, Engagement für die Idee vom günstigen Zugang zu Internetdiensten und Kompetenz und Ernsthaftigkeit in der Umsetzung.

Es bedeutet nun nicht, dass alle mit ihrem Webspace nach IN Berlin wechseln müssen, ab einer bestimmten Menge wäre das vermutlich für das Projekt schädlich. Im Idealfall engagieren wir uns in ähnlichen Projekten und ermöglichen ausserhalb kommerzieller Verwertungsstrukturen Zugriff auf gesellschaftliche Ressourcen in unterschiedlichsten Ebenen.
Ähnlich bezieht sich nicht auf den Inhalt, also Internet-Anbieter, sondern auf die Struktur und Prinzipien. Ob es sich um eine nicht kommerzielle Party, eine Einkaufsgemeinschaft, dem Infoladen, alternativer Berichterstattung, ein Netzwerk kostenloser Pennplätze oder sonst etwas handelt liegt in unserer Hand und Kreativität. Veränderungen lassen sich nicht durch Parolen (oder Blogs), sondern durch lebendige Alternativen und Gegenwelten voranbringen. Und im Idealfall bedeutet keine Pflicht, sondern eine Empfehlung wo jede und jeder für sich entscheiden muss, ob und inwieweit bzw. in welcher Form das umgesetzt wird.

IN Berlin ist einfach ein schönes Beispiel einer lebendigen Alternative.