Schon mal bei den Solderin' Skaters vorbeigeschaut?
Mon, 09 Feb 2009
Und - verdammt nochmal - den Eierkuchen
"Rettet die Wale", das Debüt von Gustav, liegt manchem vielleicht noch im Ohr. Dieses Jahr* hat sie mit "Verlass die Stadt" nun nachgelegt. Ein Anlass auf beide Alben und ihre einzigartige Musik einen Blick zu werfen.
Vor zwei Jahren stieß ich auf ein Artikel über Gustav und ihr Debüt-Album Rettet die Wale. Der Titel kam mir etwas hippiesk vor, doch das ist das subtile an ihrer Musik und vor allem den Texten. Im gleichnamige Song heißt es "Rettet die Wale und stürzt das System". Getragen werden Zeilen wie diese oder "Lasst den Kindern ihre Meinung oder treibt sie früher ab" von einem zuckersüßen Gesang, was ihr auch schonmal die Beschreibung "Elektro-Chansons" einbrachte – durchaus positiv zu verstehen.
Wenn Du träumst, träumst Du Dich als widerständiges Subjekt.
Hälst du die Art der Fragestellung für zu unkonkret?
Ist das Versuch und Irrtum?
Ist das der Schlag?
Oder ist das schon die Wirkung?
"Soldatin oder Veteran" aus "Verlass die Stadt"
Gustav ist die Band, das Musik-Projekt, Künstlername von Eva Janitsch. Aufgewachsen ist sie in Linz und wohnt seit einer guten Dekade in Wien. Der Legende nach produzierte sie ihr bereits erwähntes erstes Album auf einem geliehenen Laptop (laut Wikipedia bis auf den Gesang). Ihre Musik ist mal Chanson, mal rockig und hin und wieder auch eine fast epische Sound-Collage. Das ganze gewürzt mit einem guten Schuß elektronischer Musik. Ich lehne mich aber soweit aus dem Fenster hinaus und behaupte, dass die Kompositionen auch jenen Naturen zusagen, welche sonst mit Musik aus dem PC nicht viel Anfangen können. Das sie mit ihrer Live-Band auch ordentlich einheizen kann, dazu komme ich später noch. Daneben arbeitete Sie sowohl mit dem Volxtheater als auch für die Wiener Festwochen. Mit Verena Brückner tritt sie auch als "Agenda Lobkov" mit "music for the working women" auf.
In Linz gibt es viel Polizei
Und trotzdem bin ich allein
"Linzserenade" aus "Rettet die Wale"
Was mich an Gustav vor allem begeistert sind ihre Texte. Es sind lyrische Leckereien, Wortspiele, Jonglieren mit der Sprache ohne inhaltsleer zu sein. Und sie schafft die Gradwanderung, die Texte weder plump noch Aussagelos stehen zu lassen. Manche sind morbide oder klingen zynisch, aber Gustavs melancholische Art löst bei mir keine Lähmung aus, sondern hat was kraftvolles, motivierendes. Sie singt keine Parolen und ihre Lieder bieten etliche Ansatzpunkte zwischen den Zeilen den Subtext zu erfassen. Teilweise ergibt sich die Ironie und Textwitz im Zusammenspiel mit der total kontrastierenden Musik, etwa wie bei "Rettet die Wale" oder "Alles renkt sich wieder ein". Während sie von Tod und Schwefel singt möchte mensch in den Schlaf schunkeln. Nicht zuletzt ist der Alles-oder-nichts Ansatz sympathisch. Sie mahnt nicht paar Ungerechtigkeiten hier und dort an, sondern lässt durchblicken, dass so einiges im Argen liegt.
Herr Filialleiter
Ach bitte sagen sie mir
Wie lange noch verträgt man hier
Die Ideale zum Schafott
Es herrscht Sommerschlussverkauf
Im Selbstbedienungsladen 'Dank sei Gott'
"da, am monop0l" aus "Rettet die Wale"
Zum ersten mal sah ich Gustav live als Vorband von Die Sterne in Düsseldorf im Zakk. Obwohl auch die Sterne mir zusagen, war ich doch vor allem wegen Gustav dort. Ein Teil der Sterne-Fans liess sich auf Gustav erst gar nicht ein und war Bier-schlürfend lautstark in Gespräche verwickelt. Gustav selbst war hinter ihrem Laptop und etlicher Technik versteckt, welche auf einem abenteuerlich wackelnden Tisch stand. Es war toll sie live zu sehen, aber die Bedingungen waren sicherlich nicht die Besten. In diesem Sommer konnte ich Gustav nochmals live sehen, ebenfalls im Zakk. Diesmal allein im kleineren Nebenraum mit eigener Band (Elise Mori und Oliver Stotz). Sie stand wie eine Diva am Mikrofon und schmetterte regelrecht ihre Songs dem Puplikum entgegen, welches vergnügt tanzte. Es fällt schwer Musik oder die Atmosphäre eines Live-Konzertes zu beschreiben. Aber seitdem umschreibe ich ihre Musik mit Elektro-Soul (was wie beim Chanson leider viele nicht positiv verknüpfen) und luge alle paar Wochen auf ihre Website, dass mir ja kein Konzert in der Nähe entgeht (nicht schwierig, da sie diese schöne Provinz nicht mehr besucht hat).
Mach aus den Städten Schutt und Asche.
Ich will nie wieder Sonnenschein.
Ein Menschenleben weg genügt nicht,
Es müssen Gottes Leben sein.
"Alles renkt sich wieder ein" aus "Verlass die Stadt"
Veröffentlichungen
- Verlass die Stadt, 2008, Chicks on Speed Records
- Rettet die Wale, 2004, MOSZ
Links
Anmerkung:
* Eigentlich sollte der Text letztes Jahr in den "Barrikade News" erscheinen. Deren Herausgabe verzögert sich derzeit leider.
Kommentare:
Ein Link zur Künstlerin wäre sinnvoll, habs jetzt über google gefunden.
Geschrieben von brib (Tue Feb 10 23:21:30 2009)
Danke für den Tipp, hab es jetzt mal aufgegriffen.
Geschrieben von prometoys (Wed Feb 11 21:42:16 2009)
Schon mal bei den

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Saturn