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Wed, 16 Feb 2011

Neue Radio-Beiträge

Ich hab in den letzten Monaten viele weitere neue Beiträge für Hertz 87.9, das Bielefelder Campusradio, produziert. Einige davon hab ich hier und da mal bereits online gestellt, andere sind frisch hinzu gekommen.

Highlights sind sicherlich die fast zweistündige Sendung zu den aktuellen Ereignissen in Nordafrika. Aber auch ein Interview mit der NRW Wissenschaftsministerin Svenja Schulze oder dem PISA-Forscher Prof. Baumert gehören dazu. Viel Spaß beim hören.

Update: Die Links zu den Mitschnitten sind jetzt korrigiert

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Sat, 06 Mar 2010

BmO

Jede Branche hat ein eigenes Jargon, so auch der Radio-Bereich. Die genannte Abkürzung steht für "Beitrag mit O-Ton". Huch jetzt wird es fast, rekursiv. Bevor ich Euch weiter langweile, lauscht doch einfach die Beiträge, welche ich für unser Campusradio Hertz 87.9 produziert habe:

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Fri, 03 Jul 2009

Die U-Bahn als Oper

Als Bernadette auf einem Konzert ihre Mitarbeit an einer Oper am Eichbaum ankündigte, da haben Takatukaland und ich nicht schlecht gestaunt. Ist Eichbaum nicht die abgefuckteste Haltestelle in Mülheim, welche als Negativ-Beispiel von den heimischen Verkehrsbetrieben in der ganzen Stadt auf den Vandalismus-Plakaten an den Pranger gestellt wird?

Eichbaumoper

Aushang zur Eichbaumoper neben den
     Haltestellen-Informationen

Eichbaumoper also? Was erwartet uns da? Eine echte Oper? So ein komisches modernes Zeug? Krach oder Musik oder beides? Klar ist, die Oper läuft während des Regelbetriebs der Stadtbahn, wobei der Takt zu solch später Stunde (20:45+X) nicht mehr der dichteste ist. Für jene, die den Ruhrpott immer noch mit Ignoranz strafen eine kurze Beschreibung der Location: Die U18 ist eine U-Bahn/Stadtbahn, welche zwischen Mülheim/Ruhr und Essen fährt, ein gutes Stück davon inmitten der A40 (also, wo anders ist ein Grünsteifen in der Mitte, bei uns eine Bahn mit Haltestellen).

Ein kleiner Fussgänger-Tunnel, an den
Wänden Graffiti
Einer der Ausgänge

Die Haltestelle Eichbaum ist ein wunderbar hässlicher, verwinkelter Bau, kurz bevor die U18 in die A40 eingefädelt wird. Viel Beton, Metall im Gefängnis-Barock, umgeben von der A40 und deren Zubringern, verfeinert durch Graffiti-Tags von Sprayer-Azubis, gelegen in einem der geliebten Problembezirke. Hier tun sich also Kunstbetriebe aus Gelsenkirchen (Musiktheater im Revier), Mülheim (Ringlockschuppen) und Essen (Schauspiel), aber auch Berlin (Raumlabor) zusammen, um in den Vorwehen der Kulturhauptstadt 2010 eine Oper auf die Beine zu stellen. Interagiert die Oper nun mit dem Stadtteil oder okkupiert das Kunst-Bürgertum mit ihrem Geldbeutel (10-20 Euro für eine der raren Karten) nur einen weiteren Raum?

Seitlicher Blick auf die Tribüne.
Rechts die Haltestelle, auf der linken Seite die Autobahn.
Im Hingergrund die A40

Während die Tagesschau in ihrem Beitrag suggeriert, die Fahrgäste der U-Bahn würden mit einer Oper überrascht und könnten spontan aussteigen und diese sich ansehen, sieht es vor Ort doch anders aus. Besitzer der Eintrittskarten werden mit einem U18-Sonderzug vom Essener Hirschlandplatz nach Eichbaum gefahren. In diesem Sonderzug findet auch schon der Beginn des ersten (und, soweit vorab, besten) Teiles statt. Eine ältere Dame, die einfach an einer späteren Haltestelle (in der Schauspieler umstiegen) zusteigen wollte, wurde vom Fahrer rausgeschmissen. Ganz dicke Minus-Punkte dafür.

Blick von der Haltestelle auf die
Tribüne.

Die Freilicht-Bühne ist am Ende des Bahnsteigs, aus der Haltestelle herausragend, aufgebaut. Als weitere Spielorte dienten noch die Zugangsbrücke zur Haltestelle, sowie das Dach der selbigen. Der Orchestergraben war hinter der Bühne unter der Brücke auf dem Bahnsteig sehr elegant platziert. Während der Oper rauschten LKWs und Autos auf der A40 vorbei sowie überraschend leise U18-Bahnen.

Publikum steigt in die Sonder-U18
Eichbaumoper ein.

Erster Zug

Die Eichbaumoper besteht aus drei kleineren Stücken. Der erste Teil (Die Entgleisung)beschreibt die Sehnsucht der U-Bahn sich nicht stets fortbewegen zu müssen und auch einfach mal, wie die zahlreichen Fahrgäste, an einer Haltestelle aussteigen zu können. Während der Bahnfahrt werden die ersten kleinen Gechichten erzählt und Bernadette La Hengst und Dong-Won Seo sowie der Chor erwarten einen schon auf der Eichbaum-haltestelle zum Finale. Musikalisch und emotional hoch mitreißend.

Eine Sängerin in der U-Bahn
Elise Kaufman singt Afrika

Kleine Bühne am Ende des
Bahnsteigs mit Musikern und Bernadette La Hengst.
Das Finale auf dem Bahnsteig.

Zweiter Zug

Im zweiten Part (Simon, der Erwählte) wird die Geschichte eines Findelkindes erzählt, welches von Russland nach Mülheim aufbricht und dort eine Affäre mit einer Hauswirtin anfängt. Es stellt sich heraus, dass sie seine Mutter ist... Dem Stück hatte mehr Zeit um seine Geschichte entfalten zu können gut getan, denn die Story hechtete doch von Szene zu Szene. Zudem kam der Chor nicht so recht zur Geltung und wirkte zu leise.

Chor auf der Brücken-Bühne
Die Hauptbühne zu Beginn...

Dritter Zug

15 Minuten Gedränge war Name und Programm des dritten Teiles. Die Bruchstücke von Biographien, welche beim Warten auf die Bahn am Bahnsteig präsent sind, wurden hier zu einem Geschichten-Wirrwar verwebt. Diese Fragmente wurden parallel, verschachtelt, ineinander gerückt durch die Opensänger vertont, während eine Horde von Statisten für die passende unruhige Atmosphäre sorgt. Aber leider mochte auch hier – vielleicht auch durch das Spicken auf die Übertitel (Untertitel, nur halt oben) – der Funken nicht überspringen. Vielleicht, wenn die einzelnen Erzähl-Linien (akustisch) besser zugänglich gewesen wären, hätte der Mischmasch der zusammentreffenden Welten mehr Eindruck entfaltet.

Mitwirkende auf der Brückenbühne am
Ende der Veranstaltung
... und am Ende der Oper

Und sonst so..?

Das mag sich vielleicht etwas negativ anhören, aber trotzdem war dieser (mein erster) Opernbesuch ein sehr lohnenswerter Abend. Einen besonders interessanten Aspekt fand ich, die Reaktionen der unfreiwilligen Statisten, also jenen, die einfach zur U-Bahn wollten, aus dieser ausstiegen, oder einfach nur vorbeischlenderten, zu beobachten. Zwei junge Frauen, die auf dem Weg zur U18 zwei Minuten neugierig zuschauten, eine Gruppe Jugendlicher, die sich den doch etwas abstrakten letzten Teil rauchend fast komplett ansahen, ein junger Mann, der sportlich-cool über das Geländer hüpfte statt die Treppe zu nehmen oder eine dem Publikum auf dem Weg zur Bahn zuwinkende Jugendliche.


Die Opernbauhütte, hier als Nebenbühne

Die Nachbarn und die Kulturtouristen

Auch wenn im letzten Stück ein Chor der Nachbarschaft auftritt, scheint die Oper an sich doch recht wenig mit dem Raum, welchen sie in Beschlag nimmt, zu interagieren. Aber das Projekt selbst hat einen Vorlauf, mit Workshops und Kooperationen mit den Anwonhnern. Es blieb aber nicht dabei, ein paar ansässige Sprayer zu bitten, den temporären Containerbau stilecht zu gestalten. Es flossen etwa auch Texte von Anwohnern aus den Songworkshops mit Bernadette in die Stücke mit ein. Die Website dokumentiert einen ganzen Strauß solcher Aktionen (Zeitung, Videodreh, Making-Of). Schade nur, dass diese an dem Abend weitestgehend unsichtbar blieben.

DIY-Kunst

Warum nicht aber solche Kunst-Aktionen durch eigenes Handeln ergänzen. Während der Sonderzug-Fahrt etwa laut telefonieren: "Nee, Alter. Geht gerade nicht. Ich bin in die Oper. Tschüssi." Oder während der Vorstellung einfach vor den Augen aller an einen der Betonpfeiler zu taggen, während vorne die Sänger zum Libretto anstimmen. Sich nicht nur zum Statisten abstempeln lassen, sondern selber etwas beizutragen, auch ausserhalb der gewünschten oder vorhersehbaren Pfade. Damit meine ich aber nicht, solche Stücke zu stören oder gar zu sabotieren, sondern auf eine anarchische Art zu ergänzen.

Draussen und umsonst

Zum Schluss noch der Hinweis, wie das Stück gratis angeschaut werden kann. Seit einfach gegen kurz vor Neun an der Haltestelle Eichbaum. Wenn der Sonderzug einfährt, könnt ihr noch (von außen) dem Gesang der U-Bahn im Zug ein wenig lauschen, sowie Bernadettes Libretto am Bahnsteig selbst. Das Vorspiel, welches sich während der Fahrt abgespielt hat würdet ihr leider verpassen, aber das ist nicht weiter schlimm. Das Publikum wird dann nach oben geführt und dort werden erst die Karten kontrolliert, aber auch nur für den Zugang zur Tribüne. Ihr könnt vom Rand ohne Probleme die gesamte Bühne einblicken und die Zaungäste werden auch nicht verscheucht. Drei-Viertel der Oper ist also gratis zu schauen. Viel Spaß, es lohnt sich.

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Fri, 06 Mar 2009

Peter Hartz in der Radiokunst

Leider verbinden viele Leute mit Hörspielen die "Drei Fragezeichen" oder gar Hörbücher wie Harry Potter. Dabei ist das Hörspiel über achtzig Jahre alt und hat ebenso unterschiedliche Werke hervorgebracht wie andere Kunstformen. Vor dem Siegeszug des Fernsehens war es neben Theater und Kino eines der zentralen Unterhaltungsformen. Zu berühmten Hörspielautoren gehören auch etliche renommierte SchriftstellerInnen wie etwa Heinrich Böll oder Ingeborg Bachmann. Hörspiel-Formen reichen von Kinderhörspielen, seichten Krimis über vielschichtige Erzählungen bis hinzu experimenteller Radiokunst. Ich will an dieser Stelle einige Hörspiele aus jüngster Zeit vorstellen, welche sich mit dem neuen Wind im beschaulichen Sozialstaat befassen. Ich will aber auch nicht zu viel verraten, denn ich hoffe, ihr bekommt Lust sie selbst zu hören.

Mehrwert / Viva Kaszanka! (Der Mehrwert steigt)

In diesen beiden Hörspielen von Tim Staffel spielt die Hauptrolle die arbeitslose Schauspielerin Viva Vogelsang. In "Mehrwert" wird Viva Vogelsang von einem Mitarbeiter des Arbeitsministeriums aufgesucht und aufgefordert mit Hilfe eines Aufnahmegeräts ihren persönlichen Mehrwert nachzuweisen. Dazu interviewt sie ihre Eltern, Schwester, Freunde, nimmt aber auch Gespräche mit ihrer Sachbearbeiterin im Arbeitsamt oder ihre ersten Gehversuche bei der Existensgründung als Geschichten-Erzählerin auf. Wir erfahren einiges über Vivas Persönlichkeit und ihr Umfeld, doch wird das das Ministerium von ihrem Mehrwert überzeugen?

"Viva Kaszanka!" ist, wie der Untertitel verrät, die Fortsetzung von Mehrwert. Viva ist diesmal Teil eines europäischen Pilotprojektes "Arbeit und Sozialhygiene" um den Wert der Familie zu stärken. Als Mitarbeiterin eines Freizeitparks wohnt sie mit ihrem zugewiesenen polnischem Ehemann (dessen Namen ich nicht transkribiert bekomme, Jakosz vielleicht?) und Sohn Urs aus der Schweiz in einer künstlichen Familie zusammenlebt. Es gibt natürlich etliche Schwierigkeiten, etwa dass Viva verständlicherweise mit dem fremden Jakosz nicht in einem Zimmer schlafen möchte, aber auch einige Ressentiment ihm gegenüber hat. Der ganze Versuch wird heimlich überwacht, wobei der Controller Andy nach und nach durchdreht. Das solch ein absurdes Experiment nur schiefgehen kann, ist eigentlich offensichtlich. Das Abmühen und "Scheitern" der ProtagonistInnen ist aber trotzdem hörenswert.

Die neue Freundlichkeit / Die Liebespopulistin

Till Müller-Klug und Bernadette La Hengst denken den Hartz'chen Gedanken von "Fordern statt Fördern" konsequent weiter. Der Name des Hörspiels "Die neue Freundlichkeitet" steht für ein neues Programm um die Sozialschmarotzer mit "sanftem" Druck in brave Leistungsträger der Gesellschaft zu verwandeln. Die SachbearbeiterInnen haben sich hinter Türen ohne Klinken von den "Kunden" abgeschottet. Die Wartenummern rattern in einem ungewohnten Tempo durch und alles wird von dem umfassenden Computersystem "Multijob" überwacht. Doch auch die SachbearbeiterInnen stehen unter erheblichen Druck. Fällt ihre Vermittlungsquote zu sehr, dann ist auch ihr Job nicht mehr sicher. Und zwischen zwei Beratungsgesprächen wird stets die Top-Ten der ArbeitsvermittlerInnen durchgegeben. Der frustrierte Arbeitslose Bernd – ausgestattet mit der freundlichen aber nervigen elektronischen Fussfessel Freddy14, die hochmotivierte "Wartezonen-Forscherin" Holly, die subversive Musikerin Adriana und die in die Bedrouille geratene Vermittlerin Sylvia bringen den Laden ordentlich durcheinander bis die Vollbeschäftigungs-Zone verwirklicht ist. Von 20-Minuten-Beschäftigungen und dem "Arbeits-Los" was eine Niete ist.

Die Zusammenarbeit aus "Die neue Freundlichkeitet" haben Bernadette La Hengst und Tim Müller-Klug mit "Die Liebespopulistin" fortgesetzt. Hier treten in einer mehrwöchigen Radiosendung die fiese "Flüsterpopulistin" und die nette "Liebespopulistin" gegeneinander an. Während die Flüsterpopulistin gegen die Zustände im Schlarafenland des Sozialstaates wettert, versucht die Liebespopulistin dem Wahnsinn der Arbeit etwas entgegen zusetzen. Dabei sind einige Schmankerle dabei – etwa eine fiktive Werbung für die Arbeitsagentur oder wie die Liebespopulistin in der Kita erklärt, dass eine Existens nicht mit der Geburt beginnt, sondern der Existensgründung. Im ungewöhnlichen Radio-Duell zieht die Flüsterpopulistin los, um Sozialhilfe-Empfängern ein schlechtes Gewissen einzuflüstern, während die Liebespopulistin im Fünf-Sterne-Hotel mittels eines Flashmobs die Umverteilung des Wohlstands probt. Dabei ist sie der ersten näher als sie sich wünscht und weiß.

Keine Sehnsucht nach Sozialstaat-Romantik

Während Tim Staffel den Umbau des Sozialstaats als Negativ-Utopie weiterdenkt und seine Protagonistin Viva in beklemmende Situationen schickt sind die Hörspiele von Tim Müller-Klug und Bernadette La Hengst ein wenig radikaler und stellen den Sinn von Arbeit und Vollbeschäftigung grundsätzlich zur Disposition. Allen vier Hörspielen ist gemeinsam, dass sie sich nicht die "gute alte Zeit" herbeisehnen, sondern die aktuellen Geschehnisse durch deren Karikatur offenlegen. Sie sind weder plump noch versuchen sie eine Lösung den HörerInnen aufzudrücken. Klar wird: So geht es nicht. Aber was eine Alternative sein könnte, darüber darf und soll mensch noch selber nachdenken. Ganz nebenbei lässt sich bei beiden Produktionen hier und da in Bernadettes neues Album "Machinette" hineinschnuppern und auch der ein oder andere Smash-Hit aus dem Vorgänger "La Beat" taucht auf.

Die vorgestellten Hörspiele sind allesamt vom WDR und zwischen 2006 und diesem Jahr entstanden. Ich bin mir sicher, dass es auch von anderen Sendeanstalten und hoffentlich auch unabhängigen Gruppen tolle Hörspiele gibt. Der WDR bietet jeden Monat Hörspiele kostenlos zum Download an und drei der vorgestellten Hörspiele waren dabei. Wenn euch die Hörspiele interessieren, ihr aber keine Bezugsquelle habt, kann ich sie Euch gerne ausleihen. Schreibt mir bitte einfach eine E-Mail. Darum bitte ich auch, wenn ihr andere interessante Hörspiele kennt, gerne auch Abseits der großen Produktionen von ARD und Deutschlandradio.

Es gibt noch unzählige weitere tolle Hörspiele, von Klassikern, aus der DDR, zu anderen Themen, mal lyrischer, mal poppiger, mal politisch. Ich habe mich aber fürs Erste auf die Hörspiele zu den Arbeitsmarkt-Reformen beschränkt, so bleibt mir auch ein roter Faden. Ich werde an dieser Stelle regelmäßig über weitere Hörspiele schreiben. Für Tipps bin ich immer aufgeschlossen. Nun viel Spaß beim hören.

Link-Tipp:

WDR Hörspiele herunterladen (monatlich wechselnd)

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Fri, 06 Feb 2009

Die Kommunistin und die Kaiserin

Noch Abends habe ich mit meiner Schwester in der Mensa über die Monarchen-Verherrlichung bei 3sat in "Gero von Boehm begegnet ..." geätzt und was kommt nach den Tagesthemen im Ersten? Noch ein Film zu Farah Diba, der ehemaligen Kaiserin des Irans. Wir beide stöhnen reflexartig auf. Doch was bekommen wir zu sehen? Ein sehr zwiespältiges und persönliches Portrait.

Nahid Persson und Farah Diba

Die Filmemacherin Nahid Persson, eine Exil-Iranerin und ehemalige Kommunistin, die in ihrer Jugend gegen den Schah demonstriert und gekämpft hat – also wie viele IranerInnen an seinem Sturz beteiligt war – besucht Farah Diba in Paris, um über die letzte Monarchin des Iran ein Film zu machen. Sie begleitet sie in Galerien, zu Empfängen und Feiern, zeigt Farah Diba auch im persönlichen Rahmen, etwa in ihrer Wohnung oder beim Besuch des Grabes ihrer Tochter und reist mit ihr nach Ägypten und Amerika.

Aber es ist nicht nur ein Film über die vormalige Kaiserin. Es ist auch ein Film über die Regisseurin und über den Iran vor, während und nach der Revolution. Sie erzählt also auch Ihre eigene Geschichte, zum Beispiel über ihren mit 17 Jahren exekutierten Bruder, der ebenfalls politisch aktiv war. Aber auch über den Widerspruch, den Sie fühlt heute einen Film über die ehemalige Kaiserin zu machen. Sie hat doch damals zumindest gegen deren Mann gekämpft, der im Iran eine brutale Diktatur aufrecht hielt. Und das sie nicht den Mut aufbringt sie offen zur Kritik zu stellen und sich verstellt, um den Film nicht zu gefährden.

Während wirklich durchgeknallte Schah-Anhänger Nahid ihr Herz mit absurden Verschwörungstheorien ausschütten kommt diese sich wie eine Hochstaplerin vor. Einzig neben Farah Diba – ihrem Idol aus ihrer Kindheit und gleichzeitig der "Erzfeindin" ihrer Jugend – scheint sie sich wohlzufühlen.

Dieser Film ist ein undogmatischer Umgang mit der Repräsentantin einer brutalen Monarchie. Nahid Persson ist höflich und meist Passiv im Umgang mit der Ex-Kaiserin, aber lässt deren Aussagen nicht unkommentiert, auch wenn sie dies meist nicht im Gespräch sondern im Nachhinein aus dem Off vornimmt.

Sie zeigt Farah Diba als eigenständige, also als vom Schah unabhängig zu betrachtende, Frau. Farah Diba kann auch ihren Charme zeigen und die Regisseurin entwickelt immer mehr Sympathie für sie, aber das ist ihr nicht nur bewusst, sie thematisiert das auch und der langsame Verlust ihrer kritischen Distanz ist ihr bewusst. Aber trotz recht freundlicher Darstellung von Farah Diba, zeigt sie auch, dass die ehemalige Kaiserin letztlich nicht über ihren Schatten springen kann und die Fehler ihres Mannes und des Regimes, dem sie ja auch angehörte, zuzugeben.

Eigentlich ist es eher das Making-Of des Filmes, den sie drehen wollte. So ist er zumindest von seiner Struktur aufgebaut. Dieser erzählerische Trick und die äusserst persönliche Dimension machen den Film zu einem der interessantesten und spannendsten Dokumentationen die ich bisher gesehen habe.

The Queen and I, 2008, Schweden

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Mail-Icon Keywan Najafi Tonekaboni