Noch Abends habe ich mit meiner Schwester in der Mensa über die Monarchen-Verherrlichung bei 3sat in "Gero von Boehm begegnet ..." geätzt und was kommt nach den Tagesthemen im Ersten? Noch ein Film zu Farah Diba, der ehemaligen Kaiserin des Irans. Wir beide stöhnen reflexartig auf. Doch was bekommen wir zu sehen? Ein sehr zwiespältiges und persönliches Portrait.

Nahid Persson und Farah Diba

Die Filmemacherin Nahid Persson, eine Exil-Iranerin und ehemalige Kommunistin, die in ihrer Jugend gegen den Schah demonstriert und gekämpft hat – also wie viele IranerInnen an seinem Sturz beteiligt war – besucht Farah Diba in Paris, um über die letzte Monarchin des Iran ein Film zu machen. Sie begleitet sie in Galerien, zu Empfängen und Feiern, zeigt Farah Diba auch im persönlichen Rahmen, etwa in ihrer Wohnung oder beim Besuch des Grabes ihrer Tochter und reist mit ihr nach Ägypten und Amerika.

Aber es ist nicht nur ein Film über die vormalige Kaiserin. Es ist auch ein Film über die Regisseurin und über den Iran vor, während und nach der Revolution. Sie erzählt also auch Ihre eigene Geschichte, zum Beispiel über ihren mit 17 Jahren exekutierten Bruder, der ebenfalls politisch aktiv war. Aber auch über den Widerspruch, den Sie fühlt heute einen Film über die ehemalige Kaiserin zu machen. Sie hat doch damals zumindest gegen deren Mann gekämpft, der im Iran eine brutale Diktatur aufrecht hielt. Und das sie nicht den Mut aufbringt sie offen zur Kritik zu stellen und sich verstellt, um den Film nicht zu gefährden.

Während wirklich durchgeknallte Schah-Anhänger Nahid ihr Herz mit absurden Verschwörungstheorien ausschütten kommt diese sich wie eine Hochstaplerin vor. Einzig neben Farah Diba – ihrem Idol aus ihrer Kindheit und gleichzeitig der "Erzfeindin" ihrer Jugend – scheint sie sich wohlzufühlen.

Dieser Film ist ein undogmatischer Umgang mit der Repräsentantin einer brutalen Monarchie. Nahid Persson ist höflich und meist Passiv im Umgang mit der Ex-Kaiserin, aber lässt deren Aussagen nicht unkommentiert, auch wenn sie dies meist nicht im Gespräch sondern im Nachhinein aus dem Off vornimmt.

Sie zeigt Farah Diba als eigenständige, also als vom Schah unabhängig zu betrachtende, Frau. Farah Diba kann auch ihren Charme zeigen und die Regisseurin entwickelt immer mehr Sympathie für sie, aber das ist ihr nicht nur bewusst, sie thematisiert das auch und der langsame Verlust ihrer kritischen Distanz ist ihr bewusst. Aber trotz recht freundlicher Darstellung von Farah Diba, zeigt sie auch, dass die ehemalige Kaiserin letztlich nicht über ihren Schatten springen kann und die Fehler ihres Mannes und des Regimes, dem sie ja auch angehörte, zuzugeben.

Eigentlich ist es eher das Making-Of des Filmes, den sie drehen wollte. So ist er zumindest von seiner Struktur aufgebaut. Dieser erzählerische Trick und die äusserst persönliche Dimension machen den Film zu einem der interessantesten und spannendsten Dokumentationen die ich bisher gesehen habe.

The Queen and I, 2008, Schweden