Am Wochenende war ich endlich die Stimmung dieses Frühwerk von Tom Tykwer anzusehen. Welch eine Schande, dass ich diesen Film erst so spät entdeckte. Es gibt wirklich einige deutliche stilistische und symbolische Paralellen zu "Lola rennt" und sogar eine witzige Exaktheit (verrate ich natürlich nicht). Drei großartige SchauspielerInnen schmücken den Film: Joachim Król, Katja Studt und Nina Petri (aber auch Juliane Heinmann spielt die junge Maria toll). Der Film hat teilweise was Sureales, dass mich ein Hauch an "Naked Lunch" (ganz wenig nur, bitte nun keine falschen Erwartungen) erinnerte.

Der Film handelt von Maria, welche eigentlich immer in einer eingeengten Wohnung mit Ihrem Vater lebte und später eben dort zusätzlich noch mit ihrem späteren Ehemann. Mit diesem wurde Maria durch ihren Vater "verkuppelt" oder besser gesagt genötigt ihn zu heiraten. Dieser Gatte ist ein großes Arschloch und auch dem Vater kann trotz seiner durch einen Schlaganfall bedingten Bettlägrigkeit kaum Mitleid, geschweige denn Sympathie, zugestanden werden. Der Film handelt von emotionaler Abhängigkeit, Ausnutzung dieser Abhängigkeit bis zum äußersten, aber auch der Umgang, die tägliche Verarbeitung und der langsame, kleine, versteckte Widerstand, bis hin zum Aufwachen aus diesem Alptraum.

Maria hat einen Leben nach der Uhr. Morgens um Viertel nach sechs steht Frühstück und Kaffee für Ihren Mann bereit, bei seiner Heimkehr erwartet dieser ein warmes Essen. In der Zwischenzeit nervt ihr Vater, den sie trotz allem fürsorglich pflegt und er nur Undankbarkeit übrig hat. Ihre spärliche Freiheit besteht im Schreiben von Briefen, welche sie aber nur hinter die Kommode einwirft. Natürlich ist das nur der Ausgangspunkt und der Film beschreibt den Ausbruch aus dieser Enge. Auch spielt der Nachbar von Gegenüber eine Rolle, zudem sie anfänglich nur Blickkontakt hat.

Über Marias Geschichte erfährt mensch nur langsam etwas. In Rückblenden erlangen nicht nur die Zuschauer Informationen, was eigentlich passiert ist. Was die Nähe schafft ist nicht nur diese Frage, nach dem wie, sondern wie Marias Biografie und Lebenslage präsentiert wird. Der Film ist voller Zeichen, was bei Tykwer ja nicht verwunderlich ist. Der Klang, also die Geräuschkulisse, die Farben, das Licht, Schnitte, Kamerafahrten und viele kleine Details werden so auf äußerste eingesetzt und schaffen eine unheimlich packende Atmosphäre, welche, wie bereits angedeutet, gar ins Surreale abtaucht.