Wed, 30 Apr 2008
Inzestfall
Inzestfall, Inzest-Verbrechen - das sind die Bezeichnungen in den Schlagzeilen für die 24 Jahre anhaltende Freiheitsberaubung und mehrfache Vergewaltigung.
Aber warum eigentlich? Ist das eigentlich erschreckende an dem Verbrechen, dass ein Vater mit seiner eigenen Tochter mehrere Kinder zeugt und nicht die ausgeübte massive sexuelle Gewalt und der Freiheitsentzug?
Ich habe keine Meinung zum Thema Inzest und halte das eher für eine moralische Kategorie, welche zumindest in so einem Fall nicht von Belang ist. Ich finde es aber unvorstellbar, was so ein eingesperrt sein bedeutet und dazu noch der sexuellen Gewalt ausgeliefert zu sein. Vierundzwanzig Jahre, kaum länger kann ich mich erinnern. Und wie oft wird er sie wohl vergewaltigt haben? Was interessiert hier noch Inzest.
Und keiner will was bemerkt haben...
Kommentare:
Ja, genau das dachte ich auch. Offensichtlich ist Inzest aber schlimmer als die anderen Tatbestände. Seltsame Welt, in der wir leben. Vor allem, wo neulich schon mal ein Inzest-Fall in der Presse war, bei dem beide Beteiligten offenbar gut damit leben konnten.
Geschrieben von Matthias (Fri May 2 18:42:16 2008)
Das, was Ihr sagt, ist sicher nachvollziehbar. Dennoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Vergewaltigung durch den Vater für das Opfer eine noch drastischere Bedeutung hat, als wenn es ein Fremder getan hätte. Der Vater steht für Schutz, Geborgenheit, Vertrautheit, Liebe zum Kind - und all diese ungeschriebenen "Naturgesetze" bzgl. dieser Beziehung wurden hier geschändet in einer Form, die unvorstellbar ist. Deshalb ist "Inzest" so schlimm, weil es das komplette Ur-Vertrauen in die Welt zerstört. Ein "normales" Vergewaltigungsopfer kann irgendwann in sein Nest zurück und sich dort die Liebe und die Geborgenheit holen, die sie braucht, um irgendwann darüber "hinweg" zu kommen.
Wohin aber soll ein Inzest-Opfer? Ihr zu Hause ist die Hölle - aber das da draußen ist die Einsamkeit, das Auf-sich-gestellt-Sein, das Verlorensein.
Geschrieben von Sherry (Sat May 17 01:19:35 2008)
Zum einen passieren die meisten Missbrauchsfälle in der Familie und außerdem ist Familie ein Konstrukt. Es gibt diese "Naturgesetze" nicht und die Nähe zwischen Eltern und Kindern ist erlernt und nicht von Natur aus angeboren.
Geschrieben von prometoys (Tue May 27 02:17:08 2008)
Gehen wir davon aus, dass eine "naturgegebene" Eltern-Kind-Bindung genetisch völlig frei von Determinationen ist (ziemlich unwahrscheinlich, Kew, aber gehen wir meinetwegen davon aus). Was genau für einen Unterschied würde diese Annahme bei der Wahrnehmung des Opfers machen? Ob nun "erlernt" oder "naturbedingt" (oder, was am wahrscheinlichsten ist "beides"!) - die Tatsache, dass es der eigene Vater ist, ist um einiges heftiger, als wenn es ein Fremder wäre. (Wir könnten noch auf das tatsächlich naturgegebene Ekelgefühl zwischen nahverwandten Menschen eingehen, das genetisch bedingt ist und nicht etwa nur Folge der Tabubestimmungen während der Sozialisation. Stichwort: Pheromone.)
Ich kenne aus beruflicher Erfahrung die Ausmaße eines Missbrauchsopfers in der Familie und die einer brutalen Vergewaltigung. Die Anzeichen und vor allem aber der Schwierigkeitsgrad einer dissoziativen Identitätsstörung ist vor allem bei Inzestopfern gegeben, nicht bei Vergewaltigungsopfern (bzw. weitaus weniger/geringer). Das wird schon einen Grund haben.
Geschrieben von Sherry (Thu Jun 5 00:19:39 2008)

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