In letzter Zeit habe ich doch einige Filme geschaut. Sozusagen als Movie-Sampler will ich diese doch recht unterschiedlichen Filme hier vorstellen.

Brokeback Mountain
Sicherlich haben einige von Euch von diesem "schwulen Cowboy-Film" gehört. Der Film ist wirklich sehr toll. Zwei junge Männer kommen sich in den sechzigern beim einsamen Hüten von Schafen auf dem "Brokeback Mountain" näher. Interessant macht den Film zum einen die leichte Distanz, mit der die Geschichte gezeigt wird. Mich nahm der Film dadurch noch mehr mit. Sowie die interessanten und gar nicht Klischee-belasteten Charaktere. Ganz toll finde ich die Rolle des Ennis del Mar. Außerdem über welchen Zeitraum sich der Film zieht, aber gar nicht diese "epochale Schwere" hat. Schlaueres zum Film schreibt unter anderem Sammelsurium.
Richtig überrascht war ich, als ich schaute, was Regisseur Ang Lee noch für Filme gedreht hatte. Da war zum einen einer meiner Lieblingsfilme "Crouching Tiger, Hidden Dragon" und auf der anderen Seite "Hulk".
Hulk
Als Hulk in die Kinos kam, war ich alles andere als scharf darauf, den dort zu sehen. Solche Superhelden-Filme sind doch nur Geld und Zeitverschwendung. Jetzt ärgere ich mich, dass ich Hulk auf der Grossleinwand verpasste. Die Bilder und Schnitte beeindrucken, das Intro ist sehr packend und schön. Aus der Geschichte wird das beste rausgeholt, auch wenn die Charaktere natürlich nicht solch eine Tiefe haben wie etwa in Brokeback Mountain. Aber gängige Stereotype und Nervereien von Hollywood-Filmen werden weitestgehend umschifft. So wird auch eine hübsche Frau (Dr. Betty Ross) Hulk respektive Bruce Banner zur Seite gestellt, aber sie müssen nicht am Ende zu einer Beziehung kommen, sondern haben diese bereits hinter sich und verarbeiten sie im Laufe der Handlung.
Lola rennt
Beim Kaufen eines Milschschaum-Mixers in der Ramschkiste des Elektromarktes die DVD für drei Euro entdeckt. Das ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Nach Jahren schaute ich das erste Mal wieder den Film und war trotzdem überrascht, wie sehr mich der Film trotz seiner Schlichtheit packt. Und es gibt immer wieder etwas neues zu entdecken, etwa die Plakate mit Kamikaze-Schema (aka alte japanische Flagge) beim ersten oder zweiten Lauf, während beim Dritten dort was anderes zu sehen ist. Ich liebe diesen Film einfach und die Rolle der Lola, gespielt durch die grandiose Franka Potente. Und Tykwer.
Nach Fünf im Urwald
Ich brauchte einige Zeit, um Lola und Franka Potente auseinander zuhalten. Der Krieger und die Kaiserin half mir dabei. Nun war nach dem "Lola rennt"-Revival für mich längst überfällig Nach Fünf im Urwald zu sehen. Davon kannte ich bisher leider nur den Anfang. Ich war doch recht überrascht und hatte mir die Story wesentlich simpler und eindimensionaler vorgestellt. Welche Bewegung die unterschiedlichen Charaktere machen, wie Anna sich naiv durch den Münchner Stadtdschungel kämpft, die witzigen Beobachtungen ihrer kleinen Schwester und einen Haufen toller Schauspieler, vor allem Axel Milberg als Annas Vater und Karriere-Politiker, durch das Ausbüchsen seiner Tochter aus der Bahn geworfen wird. Die Vielschichtigkeit der Rollen macht das ganze so angenehm.
Snow Cake
Hier ein weiterer Schauspiel-Schwarm meinerseits: Sigourney Weaver. Diesen Film verpasste ich leider im Kino, obwohl ich danach Auschau hielt. Das ist halt so ein Kreuz mit den Arthouse-Filmen. Wieder eine ungewöhnliche und vielseitige Geschichte mit spannenden Charakteren. Ganz toll auch Alan Rickmann und Carrie-Anne Moss, welche wesentlich mehr kann als Trinity sich in Lack und Leder durch die Luft zu schwingen (siehe auch "Memento"). Sigourney Weaver spielt eine autistische Mutter und in Alan Rickman jemanden, der sich bei Ihr entschuldigen will. Dabei hat er selber noch so einiges auf dem Kerbholz. Mehr will ich nicht verraten.
Mystic River
So langsam hat sich der Film zu einem meiner Lieblinge hochgeschlichen. Wann immer gemeinsam ein Film geschaut werden sollte, schlug ich dieses Werk von Clint Eastwood vor. Drei Jugendfreunde treffen unzähligen Jahren wieder aufeinander. Kevin Bacon als ermittelnder Polizist, Sean Penn als Vater der jungen Toten und Tim Robbins als Verdächtigen, welcher als Kind selber Missbrauchs-Opfer war. Wieder eine komplexe Geschichte mit interessanten Wendungen. Tolle Atmospäre, gute Filmmusik, tragische Szenen. Wer Clint Eastwood nur als "Dirty Harry" kennt, tut ihm und vor allem seiner Regie-Arbeit unrecht. Sehr viele Zwischentöne und ein deutliches Statement (zumindest als solches von mir interpretiert) gegen Selbstjustiz. Ach ja, schon wieder ein Matrix-Darsteller: Laurence Fishburne als Polizei-Partner von Kevin Bacon.
Little Miss Sunshine
An diesem Film kann ich mich nicht satt sehen. Ein siebenjähriges Mädchen, welches nicht gerade den Schönheitsnormen entspricht, schaft es zum Schönheitswettbewerb "Little Miss Sunshine". Somit macht sich die ganze Familie mit ihrem ollen VW-Bulli von New Mexico nach Kalifornien auf. Ein wirklich schrulliges Road-Movie mit hervoragendem Schauspieler- und Rollen-Ensemble. Etwa der Opa, welcher aufgrund seines Heroin-Konsumes aus dem Altenheim geflogen ist, der Bruder der Mutter, welcher als gescheiterter Proust-Gelehrter gerade einen Selbstmord-Versuch hinter sich hat, oder den Vater mit seinem "In Neun Schritten zum Gewinner"-Programm, welcher in seiner Erfolglosigkeit zwanghaft an sein eigenes Programm glaubt. Selbstverständlich bleiben die Figuren hier nicht stehen und unheimlich vieles passiert während ihrer Fahrt. Ein Film über Erfolgsdruck, Anpassung und Selbstwert. Dieser Film ist anspruchsvoll ohne anstrengend zu sein, ein vorbildhafte Tragikkomödie mit unendlich schönen Bildern und Landschaften. Dieser Streifen ist absolut sehenswert, da er in allen Details gelungen ist. Ohne Übertreibung habe ich diesen Film in den letzten vier Wochen acht Mal gesehen, teilweise jeweils mehrere Tage hintereinander. Löst wohl Mystic River in der "high rotation" ab.
Shortbus
"Shortbus ist ein sehr expliziter Liebesfilm von John Cameron Mitchell aus dem Jahr 2006." meint die Wikipedia dazu. Unter explizit wird das Zeigen echter Sexszenen verstanden und davon gibt es etliche inklusive einiger Orgien. Doch werden die Personen nicht hinter dem Sex versteckt oder nur eine Geschichte gestrickt, um die Sexszenen miteinander zu verknüpfen. Es ist tatsächlich ein Liebesfilm, im dem der Sex "lediglich" nicht versteckt wird und ein Teil der Geschichte und des Leben der Charaktere ist. Auch wenn das queere Umfeld sehr freaky (im positiven Sinne, aber doch auch als etwas für einen/mich Fremdes) erscheint, wirkt es nicht aufgesetzt. Schnell geraten die Probleme und Gefühle der Protagonisten in den Vordergrund. Der Film erfüllt das, was ich mir von 9 Songs erhofft hatte und wo ich bitter enttäuscht wurde: Ein Liebesfilm, der den Sex nicht versteckt oder verklärt. Dazu ist dieser noch so leichtfüßig queer, also nicht fest im Paradigma von Heterosexualität oder fixen sexuellen Kategorien. Beim zweiten Schauen boten sich viele Details und die Musik und Szenenbilder lassen einen die Tragik wie auch das Bewältigen der Probleme spüren. Es gibt einige Szenen, wo sich zwei Personen einfach nur anschauen und es einen relativ langsamen Schnitt zwischen den jeweiligen Gegenübern gibt. Dazu eine melancholische Musik und mensch möchte einfach dahinschmelzen vor diesem eindringlichen zwischenmenschlichen Kontakt.

Ich kann Euch diese Filme wirklich ans Herz legen. Geschaut habe ich auch "The Departed" (nett, aber auch nicht mehr), "Das Leben der anderen" (Warum hat der sich nur gegen "Volver" durchsetzen können? War aber trotzdem nett), "Fucking Amal" (sehr schön und hätte eigentlich auch einen Absatz verdient), "The Ice Storm" (auch von Ang Lee, habe ich aber sprachlich nicht ganz verstanden, evtl. nochmal mit deutschen Untertiteln schauen), "Bull Durham" (wollte wissen, was Kevin Costner und Tim Robbins früher so gemacht haben). Viel Spaß mit dem einen oder anderen Film.