Schon mal bei den Solderin' Skaters vorbeigeschaut?
Tue, 26 Apr 2005
Geht nicht wählen!
Bald ist wieder Landtagswahl in meinem "Heimatland" und ich sehe überall nur ekelerregende Plakate. Und plötzlich redet die SPD von "sozialer Verantwortung" und die Grünen machen wieder Anti-Atom-Werbung. FDP und CDU sind nicht mal erwähnenswert und die WASG irgendwie naiv.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich 1998 euphorisch mit der Spraydose durch mein Kaff zog, um CDU Plakate zu beschmieren und freute mich als endlich Rot-Grün an der Macht war und alles nun sicherlich besser wird.
Was haben wir in den letzten Jahren erlebt? Streichung des Sozialstaates und Kürzungen an allen Ecken. Eine Bildungspolitik, welche von Panik und Unverschämtheit geprägt ist. Hetze gegenüber AusländerInnen, auch aus dem SPD Lager, und radikaler Abbau des Datenschutzes. Vermehrte Abschiebungen, verschärftes Einwanderungsgesetz, Millitäreinsätze und grauenhafter Patritismus ("deutsche Interessen am Hindukusch verteidigen"). Wenn das sich eine konservative Regierung erlaubt hätte, es würde allerorts große Proteste geben. Und wenn es zaghafte Versuche von Protesten gibt, dann werden diese mit einer erschreckenden Propaganda mittels Kommunismus-, Unwissenheits- und Rechtsradikalismusvorwurf durch eine nahezu gleichgeschaltete Medienlandschaft zunichte gemacht.
In den letzten Jahren ist soviel mittels der Drohung "Wenn nicht wir, dann die Konservativen" zerstört worden. Soviele Kröten wurden geschluckt, in der Hoffnung das es bald besser wird. Keine Regierung wird sich ernsthaft um unsere Belange kümmern, keine Wahl wird nennenswerte Veränderungen bringen. Daher bitte ich euch, geht nicht wählen oder wählt ungültig. Was kann an einer konservativen Landesregierung schlimmer sein, als an unserer Landes- oder Bundesregierung.
Ergänzungen
Hilft nicht wählen weiter?
Nicht zu wählen, rumzumeckern und zuhause Fernzusehen ändert natürlich nichts. Die Wahlen von 1998 und 2002 haben aber gezeigt, dass ein wirklicher Wandel per Wahlen nur sehr kurzlebig ist. Heute empfinde ich außer einigen wenigen kosmetischen Korrekturen die allgemeine Lage als wesentlich schlechter, als sie 1998 von mir subjektiv empfunden wurde.
Den Entschluß zu fassen, auf sein Wahlrecht zu verzichten, da es de facto ad absurdum geführt wird, kann aber auch bedeuten, sich mit der Situation, alle paar Jahre seine Stimme ab-zu-geben (im Sinne von weggeben) und dann solange die Schnauze zu halten, nicht mehr zufrieden zugeben. Darauf sollte natürlich auch Selbstorganisation und Handlungen erfolgen, die mehr Handlungfreiraum, Mitbestimmung, Schutz und weiteres einfordern. Ich kann immer nur betonen, dass auf eine Kritik der herrschenden Verhältnisse auch ein konstruktiver Gegenentwurf gestellt werden muss.
Wenn die Wahlbeteiligung bei einer Bundestagswahl bei 30% liegt, kann auch die Frage nach der Legitimität nicht mehr ernsthaft bejaht werden. Dann besteht nicht mal mehr der Schein, wir würden mitbestimmen. Daher der provokante Aufruf, obwohl ich selber möglicherweise die zweite Option wähle, nämlich Ungültig zu wählen.
Ist Sprayen auf Wahlplakaten "pc" oder intelligent?
Natürlich verändert es weder die Wahl, noch die Welt, mit einer Spraydose rote Sterne auf CDU Plakate zu sprühen. Ich habe damals Enthusiasmus gefühlt und wollte unbedingt nicht untätig sein. Und genau das wollte ich mit dieser leicht humoristischen und negativ konnotierten Anmerkung rüberbringen.
Vielleicht ist es ja ein analoger Hack von Wahlplakaten oder kann als basis-demokratische Partizipation im Wahlkampf wahrgenommen werden. Diese Frage kann möglicherweise von Berufsphilosophen und Hobbyjuristen beantwortet werden, aber auf gar keinen Fall vom eigenen Gewissen.
Kommentare:
Und du glaubst allen ernstes, dass nicht waehlen gehen ein Ausweg aus der Misere ist?
Geschrieben von phil (Mon Apr 25 22:05:23 2005)
Wer nicht wählt, hat schon verloren. Schlimm, daß es Menschen gibt, die so leichtfertig auf eines ihrer wichtigsten Rechte verzichten. Andererseits bei soviel Dummheit vielleicht besser.
Geschrieben von markus (Mon Apr 25 23:46:56 2005)
oh gott,
irgendwie glaube ich, dass du in der Zeit seitdem Plakate beschmieren und diesem Text nicht allzuviel dazugelernt hast (politisch).
kann das sein?
nimm einfach die spraydose und begib dich in die opposition, dass ist schön einfach.
ich will ja nicht sagen, dass alles in ordnung ist. Aber schwarzbr... aehm schwarzgelb? Meinste das ist besser/gleich? Ausser das plakate besprayen dann wieder spass machen könnte (unabhängig davon ob das irgendwie sinnstiftend ist) hat man glaube ich nicht wirklick viel gewonnen.
Naja, Studiengebühren, Atomstrom vielleicht noch ne kleine Homeland-Security Behörde, Softwarepatente, Kinder statt Inder, keine Visa-Affäre lol, Datenschutz... ok ok Schily geht da momentan echt mal ganz steil, aber der mann ist ja auch schon alt. Was gabs da noch achja, nen bisschen aktion im irak. na dann gäb es endlich mal wieder was zu feiern bei den ganzen beerdigungen für die soldaten.
stimmt, ich wähle cdu oder nein, garnicht. weil die konservativen säcke vergessen das bestimmt auch (oder sterben aus) und dann berührt das ja auch nicht die mehrheitsverhältnisse.
warte mal, bei der FDP hab ich neulich ne banane geschenkt bekommen. die wähle ich, dann hab ich nach Hartz IV wenigstens noch was zu essen.
args,
lange rede kurzer Sinn:
geht bitte wählen!
--
j.tse
"In dubio pro libertate"
Geschrieben von j.tse (Mon Apr 25 23:49:07 2005)
Ach übrigens finde ich es niedlich, daß gerade Du anderen vorwirfst, mit dem Rechtsradikalismus zu kommen. Warst Du es nicht, der auf einer gewissen Mailingliste in abscheulicher Art und Weise andere, Dir unliebsame Meinungen in eine echte Ecke gedrängt hast (und Dich dafür bis heute nicht entschuldigt hast)? So Leute wie Dich nennt man Heuchler oder Wendehälse.
Geschrieben von markus (Mon Apr 25 23:49:44 2005)
Doofe Tippfehler. Also gemeint war, "daß gerade Du anderen vorwirfst, mit dem Totschlagargument Rechtsradikalismus zu kommen" und "unliebsame Meinungen in eine rechte Ecke gedrängt".
Hintergrund für die Nichtwissenden: prometoys hat auf einer hier nicht näher zu nennenden Mailingliste lauthals die Verkünder ihm nicht zusagender Meinungen als rechte Volksverhetzer beschimpft. Er sollte also der letzte sein, der dergleichen Verhalten anderen vorwirft.
Aber vermutlich ist das ja was ganz anderes.
Geschrieben von markus (Mon Apr 25 23:53:19 2005)
Rumzicken ist immer leichter als selbst was zu verändern.
Klar ist das manchmal frustrierend und anstrengend, aber sollte sich doch lohnen und es gibt noch genug Organisationen die einen gebrauchen. Nich wa?
Geschrieben von michael (Tue Apr 26 00:54:09 2005)
Und auch wenns schon so viele gesagt haben: nicht wählen zu gehen ist wohl die schlechteste aller Alternativen. Egal, ob man nun die Tierschutzpartei oder die anonymen Alkoholiker wählt - mit einer versagten Wahlmöglichkeit kann man mit 100% Sicherheit nichts erreichen.
Geschrieben von Laura (Tue Apr 26 00:56:25 2005)
Es ist für mich ein schwerer Schritt und lange Überlegungen gewesen, zu sagen, ich verzichte auf mein Wahlrecht. Es ist ein politisches Signal. Das hat nichts mit leichtfertig zu tuen.
Ich verstehe nicht, wo ich das "Totschlagargument" (soll das eine Verharmlosung sein?) Rechtsradikalismus anbringe. Das es diese gibt und in letzter Zeit wieder zunimmt habe ich ja in meinem Text gar nicht erwähnt. Oder sollte es mich erfreuen, dass Markus dei der Erwähnung der deutschen Außen- und/oder Innenpolitik Assoziationen zu diesem Thema bekommt und somit den bestehenden Zusammenhang aufzeigt.
Als geübter Heuchler mit hervorragend trainiertem Wendehals stelle ich allen Interessierten gerne die Mails zu verfügung, welche rassistische, rechtsradikale oder solche verherrlichende bzw. verharmlosende Passagen enthalten. Somit können sich potenzielle weitere HeuchlerInnen und WendehälsInnen an der Beschimpfung dieser zwei Personen, äh... ich meinte "jeden", beteiligen.
Geschrieben von prometoys (Tue Apr 26 03:36:51 2005)
sag mir bitte, was wir von einer wahlbeteiligung bei 30% haben? Welche Leute entscheiden dann (mehr so konservativ/radikal oder vielleicht leute die nachdenken)? wann gehen die anderen dann wieder nichtmehr wählen, wenn ihnen gerade was nicht passt?
andererseits, würden die parteien nicht nach und nach weiter "häppchenweise" auf den wähler hinzukommen und es erst garnicht dazu kommen lassen?
so nach dem motto: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. ist das gute politik? willst du das?
aber nichtwählen ist schon cool,
da steht man dann alleine da so mit einer stimme. wenigstens kann man dann nicht mitreden und sich nicht beschweren und mitbestimmen auch nicht. die stimme verpufft halt einfach so.. und weitermachen tuen dann die, die man eigentlich garnicht leiden kann.
Geschrieben von j.tse (Tue Apr 26 11:25:22 2005)
Ich bin entsetzt wie Prometoys Blogeintrag von offensichtlich persoenlichen Antipathien-gefaerbten Kommentaren beantwortet wird. Er hat seinen eigenen Standpunkt klar gemacht, warum er (und ich z.B. auch ) "aktiv-nicht-waehlen" wird.
Ich lese keinen plausibel begruendeten Gegenstandpunkt, nur diese Phrasen, die mensch in der Schule als Schutzmechanismus fuer die Demokratie gelernt und unreflektiert uebernommen hat. Die darunterliegenden Begruendungen warum Nicht-Waehlen der Feind der Demokratie ist, ist bestenfalls noch lueckenhaft vorhanden. Bis zur Frage, ob das System an sich nicht vielleicht bereits fehlerbehaftet ist, stoesst mensch so gar nicht mehr vor.
Geschrieben von evilnn2 (Tue Apr 26 13:04:20 2005)
Ja. Mit dem Finger auf jemanden zu zeigen ist bekanntlich einfacher, als konkrete Handlungsalternativen darzustellen und argumentativ zu untermauern.
Rumtrollerei und konstruktive Kritik werden aber leider oft verwechselt.
Was spricht dagegen, ungueltig zu waehlen? Das einzige, was in Prometoys Blogeintrag vielleicht ungluecklich gewaehlt ist, ist der Titel (meine Meinung). Was er wohl eher mit dem Beitrag vermitteln wollte, ist, nicht blind waehlen zu gehen oder ein Zeichen durch eine ungueltige Stimme zu setzen. Denn wenn jeder immer nur den kleinsten Kompromis waehlt, bringt in dieser heutigen Welt, in der die Parteien sich in der Mitte treffen, leider immer weniger.
Ich freue mich auf konstruktive Diskussionen und Gegenvorschlaege (sachlich vorgebracht natuerlich)! :)
Geschrieben von sv (Tue Apr 26 19:43:16 2005)
Hi,
ungültig wählen ist auch meiner Meinung nach eine westentlich intelligentere Alternative als gar nicht zu wählen oder Kompromiswahlen einzugen. GgF. kann man seine Position ja vielleicht auf der Rückseite des Wahlzettels erläutern oder einen Brief oder was anderes nettes mit reinstecken. Schließlich will man ja nicht nur plump einem Trend folgen oder gar als Verpeil0r darstehen, weil man 2 Parteien angekreuzt hat oder so :-)
Gibt es eigentlich einen Rekord im "in der Wahlkabine verbringen" ?
Zu dem Plakate beschmieren: Ich finde das ganz und gar nicht albern. Die Frage ist nur, was man drauf malt. Irgendwelche Symbole oder Fratzen sind langweilig und zu dem inhaltsleer. Ich denke ein kluger Hack wäre, die Parolen entsprechend zu ergänzen oder abzuändern am allerbesten so, dass es gar nicht erst in's Auge springt (Vll. vorher ausdrucken und drüber kleben, statt zu pinseln).
So bekommen die Wahlplakate wenigstens mal mehr Inhalt und man nutzt die der allgemeinheit zur Verfügung stehenden "Foren" mal ein bischen.
Von daher denke ich, ist die Aktion als analoger Hack mehr als zu begrüßen. Es sollte nur gut durchdacht sein.
Zur Diskussion: Ich finde es recht mühseelig in so Weblogs zu diskutieren (kein Threading, kleines Texteingabefeld, kein RFC-Standard, etc.), bitte also nicht sauer sein, falls eine Antwort sehr spät oder gar nicht kommen sollte.
Have fun, in the Sun.
Geschrieben von Re al Nom (Tue Apr 26 22:22:19 2005)
also, dass sehe ich nicht ganz so.
zu allererst:
ich habe keine persönliche antipathie gegen prometoys.
um ehrlich zu sein: ich kenn ihn garnicht ausser durch ein bisschen blog lesen vielleicht.
auf der anderen seite, glaube ich schon, dass wir da etwas anderer meinung sind, aber dafür lässt man ja kommentare zu. Eine diskussion um so heikle themen (wegen der meinungsunterschiede) ohne unterschiedliche standpunkte darzubringen ist sinnlos. gut ich muss zugeben, die ironie kann mensch (hier wohl ich) sich auch sparen.
ich bin auch nicht der ansicht, dass nicht-wählen der feind der demokratie ist. meiner ansicht nach nimmt man sich damit nur das letzte pfitzel mitbestimmung das man hat. wenn ihr wollt können wir die demokratie auch abschaffen, aber dann nennt mir bitte ne ernstzunehmende alternative (die muss es geben, schliesslich hat die sich ja irgendwann auch mal entwickelt).
über die fehlerbehaftung des systems brauchen wir meiner meinung garnicht streiten, aber das hat meiner ansicht nicht viel mit dem wählen zu tun. sondern viel mehr mit den inhalten.
der staat ist nunmal auch nicht für die negativen und positiven entwicklungen in der welt verantwortlich.
Zu dem Thema "ungültig wählen" muss man halt nur sagen, dass der eintrag ursprünglich vom "Daher bitte ich euch, geht nicht wählen oder wählt ungültig" handelt und nicht vom "nicht blinden wählen" oder "nur ungültig wählen".
die sache mit der mitte ist meines erachtens eher ein problem der "schnellen entwicklungen" auf der welt. es gibt so wahnsinnig viele themen wo man wahnsinnig viele differenzierte meinungen zu haben kann. da nun die beste strategie auszuwählen ist nicht ganz trivial. wer mal versucht so ein system zu simulieren wird da sehr bald an seine grenzen stoßen. die parteien gehen aber in ihren positionen nur auf einige themen ein, auch die regierung kümmert sich nur um einige bereiche, der bundestag hinkt ja auch meist hinterher. da stellt sich dann auch mal die frage in wie fern der beamten apparat da seine finger im spiel hat (die macht). in der heutigen zeit ist es vielleicht nur möglich akzente zu setzen für universallösungen ist der ganze apparat zu schwerfällig, dafür aber recht sicher gegen "schlimme radikale". (doofer ausdruck aber mir fällt gerade nichts besseres ein.)
also, das tägliche geschäft macht der apparat die wichtigen entscheidungen aus sicht der parteien machen die grossen aus den parteien oder eben viele (dann ist der bundestag auch mal voll). der apparat ist aber unter umständen nicht immer ganz optimal in seinen alltagsentscheidungen und ab und zu wohl auch nicht in den größeren entscheidungen aber naja.
ich weiss nicht ob das jetzt irgendjemand wirklich verstanden hat, was ich da sagen wollte (insb. letzter absatz).
aber natürlich bin auch ich offen für rückfragen. ;)
--
j.tse
btw.
ich hab nicht vor das hier auf dem rücken von prometoys auszutragen, wenn er diese diskussion hier nicht möchte, dann kann ich das gut verstehen.
ich will auch nicht mit dem finger auf ihn zeigen. ich sehe das nur als einen möglichen ausgangspunkt für eine diskussion, denn ich glaube viele menschen teilen dieser tage die in dem eintrag vermittelten ansichten.
Geschrieben von j.tse (Tue Apr 26 22:35:54 2005)
Als erstes Mal, ich finde es gut, dass die Kommentarfunktion mal intensiv genutzt wird und sehe kritische Nachfragen und Gegenargumentationen als Bereicherung dieses Eintrages dar und fühle mich auch nicht von diesen persönlich angegriffen. Auch wenn eine Person hier rumgepöbelt hat, fand ich die meisten Einträge in Ordnung.
Auch Ironie finde ich als rhetorisches Mittel völlig ok, also scheut Euch nicht es üppig zu verwenden. ;-)
Ein wenig fühle ich mich aber missverstanden. Ich engagiere mich und bin keineswegs politisch unaktiv. Und mir geht es eben darum, auf das letzte bisschen (scheinheiliger) Mitbestimmung zu verzichten und stattdessen Selbstbestimmung zu forden. Ich will nicht den kleinen Finger, ich will die ganze Hand!
Natürlich ist die Bundesregierung an der derzeitigen, vorherigen und zukünftigen Lage der Welt mit Schuld. Sie ist Teil eines Systems von Ausbeutung und Bevormundung. Ich will Probleme nicht mehr oberflächlich ankratzen, sondern an der Wurzel kritisieren und dann schauen was dagegen unternommen werden kann. Natürlich ist das utopisch, aber vielleicht ist eine ordentliche Utopie das einzige was uns noch hilft.
Geschrieben von prometoys (Wed Apr 27 14:41:50 2005)
hi prome!
dass Du diese, z.T. ungewollt lustigen, thematischen Verfehlungen einfach so stehen lässt & Dich nicht persönlich angegriffen fühlst, zeugt von Größe.
Ich finde, dass das beschädigen/ abreissen / umschmeissen von Wahlplakaten Sinn macht. Auch wenn es keiner von uns wahrhaben möchte; Werbung hat nun mal einen großen Einfluss (ich schreib gern alles mit ss statt mit ß) auf unser Unterbewusstsein. Sie FUNKTIONIERT nunmal. Sie Punkt.
Ich hab die letzten Male PDS gewählt, weil ich mir dachte: " die werden niemals auch nur irgendwas zu sagen haben." ich sollte ´Recht behalten.
Geschrieben von Flo (Sat Apr 30 23:32:43 2005)
Wahl und Mitbestimmung... also wenn ich da nicht wirklich was Grundlegendes verpasst habe, dann haben auf der hiesigen politischen Ebene, die die Kommunalebene übersteigt die Worte "Wahl" und "Mitbestimmung" nicht eben soviel miteinander zu tun wie die beiden Worte "Nichtwählen" und "Mitbestimmung". Das einzige, was man bei einer Wahl mitbestimmt sind die winzig kleinen Nuancen von Paradigmen einer Politik, nix anderes. Nuancen, die eventuell darüber entscheiden, ob beispielweise Kopftücher für Lehrerinnen partout verboten werden oder ob die Diskriminierungen weiterhin auf verdeckterer Ebene stattfinden.
Wenn du aber - wie vorgeschlagen - deine Stimme ungültig abgibst, ohne - wie prometoys so schön schreibt - sie "ab"-zugeben, also ungültig wählst aber politisch aktiv bist, arbeitest du keineswegs nur an der Makulatur der Demokratie, sondern trägst du ganz gewiss mehr zu ner wie auch immer gearteten Veränderung dieses Systems bei als der Großteil der "treuen Wähler". Schlimm wirds nur, wenn du dir keinen Kopf um dein Umfeld machst. Mir fällt aber jetzt auch wirklich kein moralischer Grund ein, warum Ungültigwählen und nix machen schlimmer sein soll als ne Partei zu wählen und sich nicht zu betätigen. Beides mag ein Mangel an kritischer Reflexion bedeuten; bewusstes Ungültigwählen oder bewusstes Wählen jedoch bringt ein solches System mehr oder weniger weiter, wenn man sich zudem auch irgendwie engagiert. Ich fordere nicht, dass jeder jetzt auf Demonstrationen geht und sich Gedanken um Demokratie, Veganismus oder andere Sachen machen soll; nein, aber es geht um gespürte Eigenverantwortung in der Politik, in der man selbst Kleinigkeiten in die Hand nehmen kann/ muss.
Überdies denke ich, die ganze Diskussion geht eigentlich auch nicht um "Demokratie" oder "nichtDemokratie", sondern vielmehr um Fragen wie "Wie viel Kapitalismus? Wie viel Konsum?", denn die meisten Leute konsumieren heute auch unreflektiert Demokratie, wie absurd.
Also warum denn nicht den obersten Gremien die Stimme nicht geben, aber dafür das engere Umfeld gerecht umgestalten? Die Zahl der Nicht- oder Ungültigwähler interessiert vielleicht derzeitig nur diese [Nicht]wähler selbst, aber man schafft damit ne Argumentationsbasis. Die angesprochenen 30% Wahlbeteiligung führen natürlich auch nicht automatisch zu einer breiten Diskussion, ob solch obskur "gewählte" Gremien demokratisch legitimiert sind (und diese 30% gibts ja schon, wenn du in die A-Viertel der Ruhrgebietsstädte gehst, oder die Wahlen zum Studierendenparlament/ Asta an Hochschulen [<10%] anschaust). Ungültigwählen und fiese Plakate entsorgen ist doch besser als nix außer wählen zu tun!
Geschrieben von gesus (Mon May 2 08:29:14 2005)
Da ich angesichts der Wendehälsigkeit oder politischen Indiskutabilität aller mir bekannten , auf dem Wahlzettel abgedruckten Parteien in NRW auch nicht anders kann, als i r g e n d e i n Zeichen zu setzen: Ich tendiere dazu, meinen Wahlzettel ungültig zu machen. Eventuell könnte ich mir auch vorstellen die von AutorInnen des Satiremagazins "Titanic" gegründete "Die Partei" zu wählen.
Was heißt denn hier mitgestalten: Ich kenne jede Menge Menschen, die das versuchen/ versucht haben. Aber das hat weder Asylkompromisse, Kriegsbeteiligungen noch Hartz-Gesetze (oder viele andere Schweinereien) verhindert.
Und eine "ungültige" Stimme hat zum Nichtwählen den Unterschied, dass sie gezählt wird.
Andererseits: DIE PARTEI ist einfach lustig...
Geschrieben von ronia (Fri May 6 19:41:46 2005)
Schon mal bei den

prometoys@jwchat.org
Saturn