Aus den nie veröffentlichten Reisetagebüchern von evil-nn2 und prometoys:

In Ljutomer teilten wir uns in zwei Erkundungstrupps auf. Während die einen strategische Informationen (Der Versuch mit dem gerade teuer erstandenen Deutsch-Slowenisch Wörterbuch den "Lonely-Planet Slovenia" zu bestellen scheiterte am Vertriebsnetz des lokalen Buchladens.) und Standortdaten der Touri-Info entlockten, spähten die anderen die sanitären Einrichtungen des Busbahnhofes aus.

Nach einem gemütlichen Fussmarsch erreichten wir den Ferienbauernhof von Frank. Nick hatte vorher bereits telefonisch erfragt ob wir auf seinem Hof zelten können. Nach Franks Angaben seien noch Zimmer frei, es sei noch nie vorgekommen, dass jemand zelten wollte, wir sollten einfach mal vorbeikommen.

Dieser Vorschlag führte uns zu einem Bilderbuch-Schauspiel, welches stereotypischer kaum hätte sein können. Für all diejenigen unter Euch, die sich eine Scheibe "Alltagsrassismus" abschneiden wollen, kommen hier die wichtigsten Punkte die Ihr beachten müsst:

  1. Einordnen: Dem Äusseren nach erkannte er vermutlich wer in unserer Gruppe nicht dem europäischen Durchschnitt glich und bereitete einen entsprechenden Empfang vor.
  2. Mit Lügen vom Leib halten: Entgegen seiner Auskunft am Telefon waren alle Zimmer ausgebucht und mangels Platz auf den mehreren Hektargrossen Wiesen und täglich strömenden Regen sei Zelten ausgeschlossen. Damit versuchte er uns abzuwimmeln. Nick erkundigte sich nach den Zusagen aus dem Telefongespräch.
  3. Zurückrudern: Er wich mit der Frage nach der Herkunft aus. (Nicks spontane Antwort:"Bielefeld.") Nachdem er uns als "Deutsche" identifiziert hatte, holte er Verstärkung (seine Frau?) aus dem Haus um eine Spontan-Passkontrolle durchzuführen. (Frank:"Ach aus Deutschland, das ist natürlich etwas ganz anderes". Nick, sich lächelnd zu uns umdrehend und zwischen den Zähnen zuflüsternd: "Wollen wir vielleicht sein Haus anzünden? So ein ... bisschen?" ;))
  4. Entschuldigungen und Vorwürfe: Da "die Dame und der Herr" seiner Ansicht nach nicht deutsch aussehen sollten wir seine Fehlannahme entschuldigen.

Kurzes Nachhaken was denn gewesen wäre, wenn wir keine "Deutschen" seien beantwortete er mit der Ansage, dass er uns dann nicht aufnehmen würde, es käme ja "alles Mögliche hier durch", aus dem Iran, Irak und sonst woher. Wir machten auf dem Absatz kehrt.

Es gibt zwei Möglichkeiten sich zu Verhalten: Es ignorieren und sich auf die Dusche freuen oder sofort die Situation zu klären.

Sein Gemurmel erweckte ein ungutes Gefühl, aber offener Rassismus war zunächst nicht erkennbar. Wir hätten ihn "brabbeln lassen können" und mit Bauchschmerzen eingecheckt. Das hätte ein zurückweichen bzw. aufgeben gegenüber dem Rassismus bedeutet. Möglicherweise wären seine rassistischen Sprüche immer unverhohlener zum Vorschein gekommen.

Wenn einem das Gefühl beschleicht, es sind rassistische Ressentiments vorhanden, sollte mensch so früh wie möglich nachhaken und die Lage klären. War es ein Missverständniss, ist es "nur" ein aufgeschnappter Spruch, wo von der Falschheit der Aussage überzeugt werden muss oder steht ein waschechter Rassist gegenüber. Unser "Position beziehen" hat seine Einstellung sicherlich nicht geändert, aber demonstrierte das seine Haltung intolerabel ist. Wir meinen, dass Rassismus , selbst dummen Alltagsrassismus kein Raum gegeben werden darf und mit geeigneten Mitteln dagegen angetreten werden muss. In diesem Fall haben wir ihm unsere Aufmerksamkeit entzogen. Er hätte nichts erklären oder entschuldigen können und es gab nichts zu diskutieren.

Eine Gemeinschaftsproduktion von dreck Inc. und prometoys Network