Thu, 17 Jul 2008
Kurze Notizen von der GUADEC in Istanbul
Einige von Euch wissen ja, dass ich gerade in Istanbul bin. Leider brauche ich ja zum bloggen immer so lang und das Programm war so voll gepackt. Ich hab es leider nicht früher geschafft.
Aber selbst jetzt blogge ich nur kurze Notizen. Ein anderer Post wird Montag in einem anderen "Blog" erscheinen...
- Ich kann jetzt minimalen Smalltalk auf türkisch halten.
- Istanbul ist voll, eng, dreckig, abwechslungsreich, chaotisch: also definitiv nun in meiner Favorite-City-Top-Five. (Wuppertal kann froh sein, dass es hier manchmal schwierig ist vegetarisches Essen zu finden.)
- Untergebracht in einem Vier-Sterne Hotel. Ich komme auf diesen 150% Service gar nicht klar...
- Straffes Programm hier: 8 Uhr Frühstück, dann zur Uni, von 10-19 Vorträge etc., ein Happen Essen, 21Uhr Party (jeden Abend). Zumindest hab ich Streber und Spaßbremse es immer gegen Mitternacht/Eins ins Bett geschafft.
- Konferenzort ist eine Privat-Universität. Security, Vorlesungsäle ausgestattet mit Business-Class Sitzen und Klassenzimmer mit PC an jedem Arbeitsplatz.
- Gut und Billig essen? Such eine Lokanta. Für 3-4 Euro richtig satt essen mit lecker Gerichten wie bei (türkisch) Mutter.
Verzeiht, wenn ich zu faul für Links bin. Schaut einfach bei www.guadec.org vorbei. Vielleicht finde ich ja die Motivation so etwas wie einen klassischen Reisebericht zu posten, aber versprechen tue ich nix.
Sun, 23 Sep 2007
Auf die Zwölf
Heute, äh, besser gestern waren wir auf der documenta 12.Es war ein wenig zu viel in zu kurzer Zeit bei mäßiger Vorbereitung. Aber irgendwie auch besser als gar nicht hin. Doch so richtig was mitgenommen... vielleicht bin ich doch ein Kulturbanause. Aber sollte nicht gerade deswegen diese viel kritisierte zwölfte documenta was für mich gewesen sein?
Einen kleinen Moment möchte ich doch mit Euch teilen. Bei der der Betrachtung von Iole de Freitas "raumdurchschreitender Skulptur" kam E. die Assoziation mit künstlichen Friedenstauben um einen Atemzug später mit der folgenden Erkenntnis zu glänzen:
Der Vorteil von künstlichen Friedenstauben ist, dass sie einem nicht in die Pommes kacken.
Fri, 29 Dec 2006
Kegeln für den Weltfrieden
Hui, waren die letzten Tage ein Kuddelmuddel. Da kam erstmal Bea aus Granada wieder und gleich mit Anhang. Weihnachten ist ja aufgrund der eingeschränkten Konsumzeiten immer mit etwas Organisationsbedarf gekoppelt, damit wir ja nicht auf externe Dienstleister beim WG-Cathering angewiesen sind. Dann im Delirium meiner Erkältung alles für die große Berlin-Fahrt organisieren und zusammenkratzen.
Mit vier Leuten in einem Kleinwagen gequetscht. Ich kam gesus auf der Fahrt wesentlich näher, als uns beiden lieb war, da wir uns mit einer halben Rückbank begnügen mussten. Den Rest belagerten ein TFT und einer der icafe-Rechner. Angeblich bin ich daran Schuld, da ich ja "ein Rechenzentrum" im Gepäck hätte, wie mir der Fahrer bei jeder sich bietenden Gelegenheit mir Vorwurf. In Berlin angekommen sehnte ich mich vergeblich nach einer guten Massage.
Auf dem Parkplatz fand gesus einen Einkaufswagen in dem wir unsere Sachen packten. Dem Klischee von Großstadt-Pennern entsprechend rollten wir ins als "Aquarium" verspotteten bcc (Berliner Congress Centrum). Von den anderen Indymedias war noch keiner da und nach etwas rumfragen fanden wir ein Versteck für unser Equipment. Svenja und cr trafen wir gleich auch, welche liebevoll die Go-Lounge aufbauten.
Doch auf uns wartete der Höhepunkt des Abends. Ein Geburtstagskind hatte zum Besuch der ausgezeichneten Bundeskegelbahn beim Neuköllner Gourmet-Restaurant Entenhaus dem gehobenen Kegeln zu frönen. Wir genossen excellentes chinesisches Bier, während landestypische Operetten über die im Keller installierte Hi-Fi Anlage abgespielt wurden. Leider entschied sich niemand für die kulinarische Spezialität des Hauses: Bambi Goreng. Meiner Wenigkeit viel sogar spontan ein kleiner Kegelspiel ein (Hausnummern) und die beiden Teams erfreuten sich eines sportlichen Wettkampfes. Nach mehreren Stunden Kegel-Gaudi klang die Party bei Gin in der nahgelegenen Bleibe aus.
Seit dem ich nun hier auf dem 23C3 verweile kam ich nicht zur Ruhe. Dieser Text wurde nicht vor weniger als zwei Tagen begonnen. Wer nun sich fragt was ich hier treibe und erlebt habe muss sich noch etwas gedulden. Weitere Texte für diesen Blog und Indymedia sind in Vorbereitung.
Thu, 26 Oct 2006
Punkte in einem dreidimensionalem System bestimmen mal anders
Was haben wir uns schön alles lustig gemacht über die Gebäude- und Raumbenennung auf dem Campus Essen. Für die Ortsfremden, Raumnummern sehen dort folgendermaßen aus: z.B. R11 T 09 C27. Dabei steht R11 für das rote Gebäude Nr. 11 und soweit auch klar und logisch. T 09 weist auf den neunten Stock, bei Nutzung des tannengrünen Treppenhauses/Aufzugs und C27 ist Raum 27 auf Gang C.
Jede Person, die zum ersten Mal dieses System erläutert bekommt packt sich an den Kopp. Es wäre ja auch zu einfach die Farben Grün, Rot, Blau und Gelb zu nennen, da ja das böse G doch gleich zweimal vorkommt und Gelb mit Y für Yellow abzukürzen ist ja auch zu kniffelig. Da hört sich doch Tannengrün, Veilchenblau, Sandgelb und Rot (hier ist wohl die Phantasie ausgegangen) schon viel besser an.
Auch wenn wir uns unendlich lange über diese schnuckeligen Farbnamen lustig machen können und eine neun-stellige Raumnummer aus unseren bröckeligen Gedächtnissen zu entrutschen droht, das System an sich ist prima. Ich war gestern das erste Mal zu einer Veranstaltung auf dem Campus Essen und für mich als Dorfkind des Campus Duisburg ist das ja eine Mega-City. Doch den Raum habe ich gleich gefunden, denn ich wusste ja nicht nur im welchen Gebäude es sich findet, sondern dank der Treppenhaus-Koordinate gleich auch den Gebäudeteil. Und so ein Zettel in der Hosentasche tut ja auch nicht weh.
Mon, 03 Jul 2006
Post-GUADEC Erlebnisse
Direkt im Anschluss zur GUADEC fuhren Nhung, Jose, Ál und ich nach Barcelona um das Hacklab Kernelpanic zu besuchen. Es war in einem Haus, wo noch um die Eigentümerschaft vor Gericht gekämpft wird. Wie mensch uns berichtete hat das Kollektiv in erster Instanz gewonnen. In Spanien gibt es wohl Gesetze, die Menschen vor dem Rausschmiss schützen, aber diese sind wohl kompliziert und nicht allgemein bekannt.
Nhung und ich verliebten uns gleich in den Merchendising-Stand und kauften T-Shirts. Sie hatten auch ganz interessante Bücher, aber leider waren alle in Spanisch. Ich habe trotzdem eins als Geschenk gekauft. Das Kollektiv hat im ersten Stock einen Computerraum und ein Hardware-Lager. Sie sammeln Hardware, die andere Leute wegschmeißen und bauen daraus neue Computer.
Es gab auch VoKü und es war das beste Essen was ich in dieser Woche gegessen habe. Die vegetarische Option während des GUADEC-Lunchs war ja doch etwas dürftig. Aber hier gab es Pizza mit einem Boden aus Blätterteig und selbstgemachter, veganer Mayonnaise statt Hefeschmelz und dazu Salat. Als Nachtisch gab es einen bombastischen Soja-Milkshake.
Es war interessant sich mit den Leuten zu unterhalten und zu sehen wie "die Szene" in Barcelona ist. Außerdem war es eine erholsame Abwechslung zur Business- und Techie-Welt der GUADEC.
Da es mir doch zu weit war, meine Schwester Nadine in der Nähe von Alicante für zwei Tage zu besuchen, schnorrte ich mich erfolgreich in Ál's Barcelonaer Bude ein. Nachdem ich mit Marc-André den Bungalow gesäubert und zwei Busse verpasst hatte, gönnten wir uns auf seinen Wunsch noch einen sehr leckeren Kaffee in einem Café gleich neben der Universitäts-Bibliothek. Auch mit ihm hatte ich ein interessantes Gespräch und er große und hehre Pläne. Irgendwann kam ich in Barcelona an und traf gleich am Plaza de Catalunya Murray und seine Freundin (In Sans hatte ich schon Alex Graveley getroffen, die Stadt schien GUADEC-participants "verseucht" zu sein). Tatsächlich fand ich den Burger King, welchen ich mit Ál als Treffpunkt ausgemacht hatte. Es war etwas peinlich nachdem Weg zu fragen, da ich mir wie ein bescheuerter Touri vorkam, der einen vertrauten Burger will, statt eines der unzähligen Spezialitäten in den hiesigen Bistro's, Restaurants oder Café's zu probieren. Wir brachten meinen Krams zu seiner Wohnung. Es war schon sehr praktisch, dass diese in der Nähe der großen Rambla und so immer leicht zu finden war.
Da mir am Vorabend das Restaurant Juicy Jones empfohlen worden war, bat ich Ál mir den Weg zu zeigen. Dort trafen wir auf Kenneth, einem Bekannten von ihm. Er erklärte uns, dass das Juicy Jones zwar unendlich langsam und überteuert sei, aber das Essen und die Frucht-Shakes unschlagbar wären. Und damit hatte er auch Recht. Ich nahm ein Menü aus Reis, verschiedenen Soßen und gefülltem Gebäck, ein sehr dünnes Knusperbrot, einen fantastischen Salat und dazu ein Shake aus frischen Melonen, Limetten, Bananen und Soja-Milch. Es war einfach der Hammer. Zum Nachtisch gab es irgendein Ultra-süßes Frucht-Glibber-Zeugs. Danach war ich irgendwie fertig und fast pleite, aber wunschlos glücklich. Kenneth zeigte mir den Weg zu einer Art Infoladen und Headquarter für verschiedene Kollektive, wo Ál und Magnus warteten. In einem dieser dort ansässigen Kollektive, dem Wifi-Kollektiv XSF (Xarxa Sensefils Cooperativa), ist Ál tätig. Dieses Kollektiv vernetzt ganz Barcelona mit WLAN und stellt es Kollektiven und Personen gegen einen, meiner Meinung nach, Spottpreis zu Verfügung. Außerdem gibt es ein Intranet und zudem verdienen sie ein paar Kröten mit Installationen, Support und etc. In dem HQ nerdeten wir ein bisschen herum und führten unsere Diskussion über die Korrektheit der Bezeichnung unseres geliebten Betriebssystem als Linux bzw. GNU/Linux fort. Ál zeigte mir später sein Projekt BlogMail, was ein aufgebohrtes WordPress ist, welches ankommende Mails in Blog-Einträge verwandelt und somit öffentlich zugänglich macht, inkl. Kommentarfunktion.
Als wir uns trennten verabredeten wir uns für eine Party auf einem Boot im Hafen von Barcelona. Gegen 23 Uhr machten wir uns auf den Weg dorthin und gabelten sprichwörtlich "by the way" noch John, Sri, Lennart und co. auf (Ja, auch Leute von der GUADEC). Auf dem weiteren Weg trafen wir sogar noch Izabel und weitere, welche leicht angeschlagen vom WM-Verlust des brasilianischen Teams in einem Restaurant verweilten. Die Party war sehr strange, da sie auf einem Boot stattfand, welches sehr eng und gut gefüllt war. Ich war tot müde und blieb auf dem Deck und pennte dort sitzen auf einer Bank ein. Nach meinem Nickerchen war ich aber wieder topfit und ging unter Deck, wo sich die Tanzfläche befand. Und hey, es gab wirklich großartige Musik und sogar einer meiner Lieblingssongs wurde gespielt (Miss Kittin - Meet Su Be She). Ich hätte nie gedacht einen Ort zu finden, wo es schwieriger ist zu tanzen als auf der absurd unebenen Tanzfläche im AZ. Aber so ein schwankendes Schiff mit schiefem Boden und überfüllter Tanzfläche ist schon eine neue Herausforderung. Zu heftig konnte mensch kollektiv aber nicht tanzen, da sonst die Nadel anfing zu springen.
Als die Musik nicht mehr ganz meinem Geschmack entsprach, fand ich draußen am Dock Magnus und er erzählte mir von einem Hausprojekt namens "Chateau" in Glasgow, welches von Franz Ferdinand mitbegründet worden war und Magnus darin aktiv war, bevor er nach Barcelona kam. Leider war ich doch etwas zu mitgenommen von der GUADEC so das ich schon gegen Drei Uhr die Party verließ und mich zu Fuß auf dem Weg zu Ál's Wohnung machte. Zum Glück hatte er mir die Ersatzschlüssel gegeben, so war keiner vom anderen abhängig.
Am nächsten Tag waren wir beide aber ziemlich platt und pennten und gammelten in seiner Bude 'rum. In seiner Nachbarschaft ist ein Graffiti "Saint Neighbourhood (aber auf spanisch) und wenn er mir Stories von diesem Viertel erzählte oder die Leute draußen wieder irgendwelche absurden Sachen machten, betonte er und wiederholte immer wieder: "It's a Saint Neighbourhood". Später zeigte er mir in meiner dürftigen Lonely Planet Karte zwei Orte mit Internet. Ich machte mich auf dem Weg zu einem besetzten Haus ganz in der Nähe, welches das Hacklab RAM beherbergt. Zwar war die Verbindung grottig und außer meine Flugdaten nochmal zu überprüfen konnte ich nicht wirklich was machen, aber später traf ich tat, welcher ebenfalls bei XSF tätig ist. Er kommt aus Berlin und so sprachen wir über die Nerd-Szene in Deutschland und Barcelona, einem Debian ARM-Port an dem er derzeit arbeitet und Indymedia. Leider bemerkte ich erst beim Aufbruch, dass im Hof "The Rocky Horror Picture Show" gezeigt wurde. Ich snackte noch was in der Nähe und ging "nach Hause". Ál war zwar nicht da, aber sein Mitbewohner David. Das war etwas unerwartet und unsere Kommunikation hielt sich in Grenzen.
Da ich Montag wieder recht früh wach war zog ich blind los um ein paar Postkarten und Verpflegung für die Rückreise zu organisieren. Der große Markt in der Halle bei der Rambla war schon beeindruckend und die ganze Zeit hing der Geruch von frischem Obst und Gemüse (aber leider auch Fleisch und Fisch) in der Nase.
Da der Zug von Barcelona Sans nach El Prat unheimlich Verspätung hatte kam doch bei mir Torschluss-Panik auf. Diese war auch berechtigt, da ich mich mal wieder als einer der letzten am Last-Minute-Schalter eincheckte. Bei der Sicherheits-Kontrolle sprach mich ein Guarda Civil an und obwohl meine Tasche durchleuchtet worden war, musste ich sie wieder von ihm durchsuchen lassen. Als ich nach seiner schlampigen und nutzlosen Durchsuchung fragte, warum er gerade mich kontrollierte, behauptete er, dass sei Routine und er würde 10% der Passagiere ansprechen. Ich warf ihm vor, dass er mich nur ausgesucht hätte, da ich wie ein Araber aussehe. Ich war echt sauer. Rassisten finden sich halt nicht nur in der deutschen Polizei. In letzter Minute erreichte ich mein Flugzeug, da mich Passagiere vom Check-In wiedererkannten und mich von der Information zum richtigen Gate retteten. Der Flughafen von Barcelona ist grauenhaft ausgeschildert und Service-Personal ist rar gesät.
Da wir gerade im Landeanflug auf Dortmund sind muss ich nun aufhören und meinen Rechner ausschalten. Aber es ist ja auch alles gesagt.

prometoys@jwchat.org
Saturn