Direkt im Anschluss zur GUADEC fuhren Nhung, Jose, Ál und ich nach Barcelona um das Hacklab Kernelpanic zu besuchen. Es war in einem Haus, wo noch um die Eigentümerschaft vor Gericht gekämpft wird. Wie mensch uns berichtete hat das Kollektiv in erster Instanz gewonnen. In Spanien gibt es wohl Gesetze, die Menschen vor dem Rausschmiss schützen, aber diese sind wohl kompliziert und nicht allgemein bekannt.

Nhung und ich verliebten uns gleich in den Merchendising-Stand und kauften T-Shirts. Sie hatten auch ganz interessante Bücher, aber leider waren alle in Spanisch. Ich habe trotzdem eins als Geschenk gekauft. Das Kollektiv hat im ersten Stock einen Computerraum und ein Hardware-Lager. Sie sammeln Hardware, die andere Leute wegschmeißen und bauen daraus neue Computer.

Es gab auch VoKü und es war das beste Essen was ich in dieser Woche gegessen habe. Die vegetarische Option während des GUADEC-Lunchs war ja doch etwas dürftig. Aber hier gab es Pizza mit einem Boden aus Blätterteig und selbstgemachter, veganer Mayonnaise statt Hefeschmelz und dazu Salat. Als Nachtisch gab es einen bombastischen Soja-Milkshake.

Es war interessant sich mit den Leuten zu unterhalten und zu sehen wie "die Szene" in Barcelona ist. Außerdem war es eine erholsame Abwechslung zur Business- und Techie-Welt der GUADEC.

Da es mir doch zu weit war, meine Schwester Nadine in der Nähe von Alicante für zwei Tage zu besuchen, schnorrte ich mich erfolgreich in Ál's Barcelonaer Bude ein. Nachdem ich mit Marc-André den Bungalow gesäubert und zwei Busse verpasst hatte, gönnten wir uns auf seinen Wunsch noch einen sehr leckeren Kaffee in einem Café gleich neben der Universitäts-Bibliothek. Auch mit ihm hatte ich ein interessantes Gespräch und er große und hehre Pläne. Irgendwann kam ich in Barcelona an und traf gleich am Plaza de Catalunya Murray und seine Freundin (In Sans hatte ich schon Alex Graveley getroffen, die Stadt schien GUADEC-participants "verseucht" zu sein). Tatsächlich fand ich den Burger King, welchen ich mit Ál als Treffpunkt ausgemacht hatte. Es war etwas peinlich nachdem Weg zu fragen, da ich mir wie ein bescheuerter Touri vorkam, der einen vertrauten Burger will, statt eines der unzähligen Spezialitäten in den hiesigen Bistro's, Restaurants oder Café's zu probieren. Wir brachten meinen Krams zu seiner Wohnung. Es war schon sehr praktisch, dass diese in der Nähe der großen Rambla und so immer leicht zu finden war.

Da mir am Vorabend das Restaurant Juicy Jones empfohlen worden war, bat ich Ál mir den Weg zu zeigen. Dort trafen wir auf Kenneth, einem Bekannten von ihm. Er erklärte uns, dass das Juicy Jones zwar unendlich langsam und überteuert sei, aber das Essen und die Frucht-Shakes unschlagbar wären. Und damit hatte er auch Recht. Ich nahm ein Menü aus Reis, verschiedenen Soßen und gefülltem Gebäck, ein sehr dünnes Knusperbrot, einen fantastischen Salat und dazu ein Shake aus frischen Melonen, Limetten, Bananen und Soja-Milch. Es war einfach der Hammer. Zum Nachtisch gab es irgendein Ultra-süßes Frucht-Glibber-Zeugs. Danach war ich irgendwie fertig und fast pleite, aber wunschlos glücklich. Kenneth zeigte mir den Weg zu einer Art Infoladen und Headquarter für verschiedene Kollektive, wo Ál und Magnus warteten. In einem dieser dort ansässigen Kollektive, dem Wifi-Kollektiv XSF (Xarxa Sensefils Cooperativa), ist Ál tätig. Dieses Kollektiv vernetzt ganz Barcelona mit WLAN und stellt es Kollektiven und Personen gegen einen, meiner Meinung nach, Spottpreis zu Verfügung. Außerdem gibt es ein Intranet und zudem verdienen sie ein paar Kröten mit Installationen, Support und etc. In dem HQ nerdeten wir ein bisschen herum und führten unsere Diskussion über die Korrektheit der Bezeichnung unseres geliebten Betriebssystem als Linux bzw. GNU/Linux fort. Ál zeigte mir später sein Projekt BlogMail, was ein aufgebohrtes WordPress ist, welches ankommende Mails in Blog-Einträge verwandelt und somit öffentlich zugänglich macht, inkl. Kommentarfunktion.

Als wir uns trennten verabredeten wir uns für eine Party auf einem Boot im Hafen von Barcelona. Gegen 23 Uhr machten wir uns auf den Weg dorthin und gabelten sprichwörtlich "by the way" noch John, Sri, Lennart und co. auf (Ja, auch Leute von der GUADEC). Auf dem weiteren Weg trafen wir sogar noch Izabel und weitere, welche leicht angeschlagen vom WM-Verlust des brasilianischen Teams in einem Restaurant verweilten. Die Party war sehr strange, da sie auf einem Boot stattfand, welches sehr eng und gut gefüllt war. Ich war tot müde und blieb auf dem Deck und pennte dort sitzen auf einer Bank ein. Nach meinem Nickerchen war ich aber wieder topfit und ging unter Deck, wo sich die Tanzfläche befand. Und hey, es gab wirklich großartige Musik und sogar einer meiner Lieblingssongs wurde gespielt (Miss Kittin - Meet Su Be She). Ich hätte nie gedacht einen Ort zu finden, wo es schwieriger ist zu tanzen als auf der absurd unebenen Tanzfläche im AZ. Aber so ein schwankendes Schiff mit schiefem Boden und überfüllter Tanzfläche ist schon eine neue Herausforderung. Zu heftig konnte mensch kollektiv aber nicht tanzen, da sonst die Nadel anfing zu springen.

Als die Musik nicht mehr ganz meinem Geschmack entsprach, fand ich draußen am Dock Magnus und er erzählte mir von einem Hausprojekt namens "Chateau" in Glasgow, welches von Franz Ferdinand mitbegründet worden war und Magnus darin aktiv war, bevor er nach Barcelona kam. Leider war ich doch etwas zu mitgenommen von der GUADEC so das ich schon gegen Drei Uhr die Party verließ und mich zu Fuß auf dem Weg zu Ál's Wohnung machte. Zum Glück hatte er mir die Ersatzschlüssel gegeben, so war keiner vom anderen abhängig.

Am nächsten Tag waren wir beide aber ziemlich platt und pennten und gammelten in seiner Bude 'rum. In seiner Nachbarschaft ist ein Graffiti "Saint Neighbourhood (aber auf spanisch) und wenn er mir Stories von diesem Viertel erzählte oder die Leute draußen wieder irgendwelche absurden Sachen machten, betonte er und wiederholte immer wieder: "It's a Saint Neighbourhood". Später zeigte er mir in meiner dürftigen Lonely Planet Karte zwei Orte mit Internet. Ich machte mich auf dem Weg zu einem besetzten Haus ganz in der Nähe, welches das Hacklab RAM beherbergt. Zwar war die Verbindung grottig und außer meine Flugdaten nochmal zu überprüfen konnte ich nicht wirklich was machen, aber später traf ich tat, welcher ebenfalls bei XSF tätig ist. Er kommt aus Berlin und so sprachen wir über die Nerd-Szene in Deutschland und Barcelona, einem Debian ARM-Port an dem er derzeit arbeitet und Indymedia. Leider bemerkte ich erst beim Aufbruch, dass im Hof "The Rocky Horror Picture Show" gezeigt wurde. Ich snackte noch was in der Nähe und ging "nach Hause". Ál war zwar nicht da, aber sein Mitbewohner David. Das war etwas unerwartet und unsere Kommunikation hielt sich in Grenzen.

Da ich Montag wieder recht früh wach war zog ich blind los um ein paar Postkarten und Verpflegung für die Rückreise zu organisieren. Der große Markt in der Halle bei der Rambla war schon beeindruckend und die ganze Zeit hing der Geruch von frischem Obst und Gemüse (aber leider auch Fleisch und Fisch) in der Nase.

Da der Zug von Barcelona Sans nach El Prat unheimlich Verspätung hatte kam doch bei mir Torschluss-Panik auf. Diese war auch berechtigt, da ich mich mal wieder als einer der letzten am Last-Minute-Schalter eincheckte. Bei der Sicherheits-Kontrolle sprach mich ein Guarda Civil an und obwohl meine Tasche durchleuchtet worden war, musste ich sie wieder von ihm durchsuchen lassen. Als ich nach seiner schlampigen und nutzlosen Durchsuchung fragte, warum er gerade mich kontrollierte, behauptete er, dass sei Routine und er würde 10% der Passagiere ansprechen. Ich warf ihm vor, dass er mich nur ausgesucht hätte, da ich wie ein Araber aussehe. Ich war echt sauer. Rassisten finden sich halt nicht nur in der deutschen Polizei. In letzter Minute erreichte ich mein Flugzeug, da mich Passagiere vom Check-In wiedererkannten und mich von der Information zum richtigen Gate retteten. Der Flughafen von Barcelona ist grauenhaft ausgeschildert und Service-Personal ist rar gesät.

Da wir gerade im Landeanflug auf Dortmund sind muss ich nun aufhören und meinen Rechner ausschalten. Aber es ist ja auch alles gesagt.